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Der Baumeister der Schallenberger.
Ein Burggraf der Blankenberger hieß Sibito; dieser er-
baute (1180-85) ungefähr eine Stunde östlich von Blanken-
berg sich Schloß und Schloßkirche St. Ulrich in der Pfarre
Niederwaldkirchen. Die Blankenberger starben schon um 1190
aus und von ihnen ging nun die Vogtei (Schutzrecht) über
die Kirche Kleinzell auf den obigen Sibito und seine Nach-
folger über; letztere nannten sich zuerst „von St. Ulrich" und
später „Schallenberger". Diese hatten über die Kirche Nieder-
Waldkirchen zwar nicht die Vogtei, waren aber große Wohl-
täter auch dieser Kirche, bei der sie auch die alte Taufkapelle
im Friedhofe zu ihrer Begräbnisstätte umbauen ließen, wobei
diese Kapelle, welche vorher dem hl. Johannes, dem Täufer,
geweiht war, nun dien hl. Josef als Patron erhielt. Als um
1400 die von Eppo stammende romanische Kirche in Nieder-
Waldkirchen in eine gotische umgebaut wurde, leisteten die
Schallenberger offenbar viele Beihilfe und errichteten bei dieser
neuen Kirche auch für sich eine Begräbnisstätte, nämlich die
Blasiuskapelle, während ihre bisherige Begräbnisstätte jetzt
Friedhofkapelle wurde und ebenfalls gotischen Stil erhielt.
Eine schwere Heimsuchung kam über die Schallenberger im
Jahre 1427, da ihr Stammschloß St. Ulrich von den Hussiten
zerstört wurde; die Herrschaft ließ dieses Schloß nicht mehr
herstellen, sondern kaufte sich im folgenden Jahre um 1000
Pfund Wiener Pfennige das Schloß Biberstein, jedoch baute
sie im Dorfe St. Ulrich wieder neu auf die vorher offenbar
mit dem Schlosse vereinigt gewesene Kirche, die jetzt auch
gotischen Stil bekam und durch welche die Verehrung des
hl. Ulrich bis heute im Orte echalten blieb.
In Kleinzell, das Filiale Niederwaldkirchens gewesen,
war schon längst der Wunsch nach einer eigenen Seelsorgs-
station laut geworden und dieser Wunsch konnte auch ver-
wirklicht werden hauptsächlich durch die große Wohltätigkeit
der Vogteiherrschaft der Schallenberger. Diese gaben um 1430
nicht bloß zur Schaffung eines Pfarreinkommens verschiedene
Grundstücke sowie zwei Hofstätten — eine als Pfarrhof und
eine als Schule — sondern der damalige Vogteiinhaber,
Bernhard Schallenberger, vergrößerte auch unsere alte roma-
nische Kirche, indem er ein neues geräumiges Altarhaus und
einen mächtigen Turm, beides im gotischen Stile, in den
Jahren 1450-52 erbauen ließ.