Volltext: Juli bis Dezember 1915 (2 ; 1916)

Um die dargelegten Ziele unter den obwaltenden außerordentlichen 
Verhältnissen zu erreichen, erschien es der Regierung nach reiflicher Erwägung 
auch der anderen Möglichkeiten als unbedingt notwendig, zu einer Maßnahme 
zu greifen, durch welche das Rohöl der freien Verfügung der Besitzer unter 
voller Wahrung ihrer berechtigten Interessen entzogen und der Disposition 
des Staates unterstellt worden ist. Hierfür war auch die Erwägung ma߬ 
gebend, daß eine solche Maßnahme der Regierung ein Mittel in die Hand 
geben würde, den seit jeher bestehenden, vielfach willkürlichen Preisschwankungen 
des Rohöles wirksam vorzubeugen und in der Rohölindustrie die bis jetzt 
vermißte Ordnung vorzubereiten. 
Durch die 
Kaiserliche Verordnung vom 10. August 1915, R. G. Bl. 
Nr. 239, 
ttmrbe nun das gesamte, nach dem Tage der Kundmachung dieser Verordnung 
im Jnlande gewonnene Rohöl (Erdöl) zugunsten des Staates beschlagnahmt. 
Von der Beschlagnahme der Rohölvorräte wurde, soweit sich diese 
nicht im Besitze der Unternehmungen des feindlichen Auslandes befinden, in 
der Kaiserlichen Verordnung Abstand genommen, um den Abschub dieser Vor¬ 
räte, welche von den im Hinterlande befindlichen Raffinerien zum größten 
Teil bereits angekauft waren, zu diesen Raffinerien nicht zu stören. 
Auf wohlerworbene Rechte wurde innerhalb der durch den Zweck der 
Beschlagnahme gezogenen Grenzen volle Rücksicht genommen; insbesondere ist 
auch die Freigabe des Rohöles vorgesehen. 
Im Hinblick ans das eminente öffentliche Interesse, welches der Auf- 
rechthaltung der Rohölproduktion zukommt, wurde eine Bestimmung getroffen, 
wonach* jeder Werksbesitzer (Gewinnungsberechtigte) zur Aufnahme oder 
Fortsetzung des regelrechten Betriebes seines Erdölbergbaues verhalten 
werden kann. 
Da die Werksbesitzer die Pflicht zur Verwahrung des beschlagnahmten 
Rohöles trifft, winde den Unternehmungen zur Leitung (pipelines) und Ein¬ 
lagerung von Rohöl die Verpflichtung zur Verwahrung des letzteren auferlegt 
und dem Ministerium eine Jngerenz auf die Überlassung der Lagerräume 
für diese Zwecke und auf die Bestimmung der Vergütung hierfür eingeräumt. 
Durch die Bestimmung, daß die Zuweisung von Rohöl an bestimmte 
Stellen durch das Ministerium erfolgen kann, ist jeder Raffinerie die 
Möglichkeit gegeben, sich mit diesem Rohprodukte zu versorgen. 
Die Festsetzung des Rohölpreises wird in erster Linie der freien Ver¬ 
einbarung der Interessenten überlassen. Nur wenn eine solche nicht zustande 
kommt, wird der Preis von der Regierung nach fachmännischem Ermessen 
festgesetzt werden. 
Zur Sicherstellung des Erfolges der Beschlagnahme wurden in der 
Kaiserlichen Verordnung die erforderlichen Konirollmaßnahmen und Straf¬ 
bestimmungen vorgesehen. 
Die 
Verordnung des Ministeriums für öffentliche Arbeiten 
im Einvernehmen mit dem Handelsministerium und
	        
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