Volltext: Milde Beiträge zur Sitten- und Kunstgeschichte (1)

Bon der alten und neuen Schule. 
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stummeninstitut in Linz hinsehen. Sie mögen sich die Fragen 
beantworten: 1. Wer hat sie gegründet? 2. Wer leitet sie? Wenn 
sie sagen müssen, es sind katholische Priester, so werden sie 
doch zugeben, daß diese keine Finsterlinge sind. Wenn sie dann 
weiter sehen, wie z. B. im Blindeninstitute die Kinder nicht 
bloß in den Schulgegenständen, sondern auch in für sie 
passenden Gewerben unterrichtet werden, damit sie existenz⸗ 
fähig sind, wie die Sorge um die Existenz derselben über das 
Institut hinausreicht, dann fällt es vielleicht doch dem einen 
oder dem anderen ein, daß er so etwas nicht auf— 
weisen kann und seine Gesinnungsgenossen auch nicht, und 
vielleicht lernt er anders von der Kirche denken, was ihm dann 
jedenfalls nicht zum Schaden gereichen wird. 
Ich glaube nicht fürchten zu müssen, daß man mich miß— 
verstehe. Es fällt mir als Lehrer nicht ein und kann mir nicht 
einfallen, daß ich auf den Uuterricht in der Volksschule und 
in Fortbildungsschulen ein zu geringes Gewicht lege. In 
unserer Zeit überschätzt man den Zweck des Unter— 
richtes in der Volks- und Fortbildungsschule, 
das ist es, was ich rüge. Man lasse die Volksschule das sein, 
was sie ihrer Stellung nach im Gesamtunterricht ist, nämlich 
die erste Stufe, die Vorbereitung für die Mittelschule. Sie ist 
kein Heilmittel für alle möglichen Schäden in der menschlichen 
Gesellschaft, so wenig als Gewerbe— und Handelsschulen. Da— 
rum brauchen wir in der Volsschule keine Professoreni), sondern 
wir brauchen in erster Linie Männer, welche gut katholisch 
und charakterfest sind, um die Kinder gut katholisch und zu 
Charakteren heranzuziehen und die in zweiter Linie eine gute 
Methode besitzen, mittels welcher sie die Schüler auf kürzestem 
und sichersten Wege in natürlichem Stufengange zur Er— 
reichung des Zieles führen, das die Volksschule erreichen muß. 
Was dann Gewerbe-— und andere Fortbildungsschulen betrifft, 
so muß es einem alten Lehrer doch ganz sonderbar vorkommen, 
wenn selbst Lehrer das Ziel der Volksschule für so gering 
schätzen, daß mit demselben ein einfacher Geschäftsmann nicht 
ausreichen soll. Fühlen sie denn gar nicht, daß sie dadurch 
ihrer Schule selbst ein Mißtrauensvotum geben, ein schlechtes 
Zeugnis ausstellen? So gering dachten wir von unseren 
Schulen nicht. 
N Ein Lehrer, der nicht imstande ist, durch Bücher sich selbst weiter— 
zubilden, der würde auf einer Hochschule erst recht nichts lernen. Möchten 
so manche Herren Lehrer sich nur mehr um unsere katholische Literatur 
bekümmern, da würden sie Stoff genuͤg finden zu ihrer eigenen Fort—⸗ 
bidung. Leider kümmern sie sich nicht um dieselbe, von Vorurteilen 
efangen.
	        
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