Dr. Ignaz Knoblecher.
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Als Ryllo, der Obere der Mission, schon im Juni 1848,
also nach wenigen Monaten, dem Klima unterlag, wurde Knob—
lecher, bei den Arabern Abuna Soliman genannt, an die Spitze
des Unternehmens gestellt. Dasselbe wurde aber bald ernstlich
gefährdet, da wegen der Revolutionsstürme des Jahres alle
Hilfssendungen aus Europa aufhörten. Da entschloß sich Knob—
lecher 1850 zu einer Reise in sein Heimatland. Hier gewann
er neue Mitarbeiter und durch Stiftung eines eigenen Vereines
auch materielle Mittel. Dieser Verein ist der von den öster—
reichischen Bischöfen jetzt neuerdings empfohlene Marienverein.
Jetzt konnte der unermüdliche Glaubensbote 1852 viel weiter
südlich im Lande der Bari (5. Grad) zu Gondocoro und 1854
im Gebiete der Kyk-Neger (6. Grad) zu Angweyn (Geiligenkreuz)
zwei neue Stationen errichten. Beide entwickelten sich glücklich;
leider zeigte es sich aber bald, daß diese Punkte wegen des
mörderischen Klimas nicht von europäischen Missionären be—
hauptet werden konnten. Von 24 Priestern waren in sieben
Jahren 16 gestorben. Knoblecher sandte darum 1856 acht be—
gabte Negerknaben nach Europa, damit sie dort ausgebildet und
später als Priester in ihrer Heimat verwendet werden könnten.
Inzwischen wurde aber auch er körperlich so geschwächt, daß er
sich zu einer Reise nach Europa entschloß. Er kam bis Neapel
und starb hier am 13. April 1858, also im 39. Lebensjahre.
In den Jahresberichten des Marienvereines von 1852 bis
1858, welche zu Wien erschienen sind, veröffentlichte er Reise—
berichte, die auch wissenschaftlichen Wert haben. In der Hof—
bibliothek zu Wien befinden sich aus seiner Hand Beiträge für
die Sprachen der Dinka und Bari, im Landesmuseum zu Laibach
Sammlungen für die Völker- und Vogelkunde. Eine Lebens—
beschreibung Knoblechers hat im Jahre 1869 der Eymnasial—
direktor Mitterrutzner in Brixen herausgegeben.
Hartl, Milde Beiträge.