Full text: Die Lebensbeschreibung Severins als kulturgeschichtliche Quelle (2 ; 1903)

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entnehmen: „Was nutzt einem Knecht Gottes, seine Heimat und sein 
Geschlecht zu nennen, da er weit eher, wenn er darüber schweigt, 
widerwärtige Hoffahrt vermeiden kann“ 1 ). Die Erinnerung an seine 
Herkunft erweckt dem Heiligen einen gewissen Stolz. Das ist aber 
wohl nur dann möglich, wenn er einem vornehmen Hause entstammte. 
Meine Vermutungen über die Vorgeschichte unseres Heiligen gehen 
also dahin: Severin war ein Afrikaner von vornehmer Abkunft, der in 
seinem Heimatlande Bischof war und dem orthodoxen Bekenntnis an 
gehörte. Als die arianischen Wandalen mit den Katholiken in Zwist 
gerieten, mußte auch Severin, der offenbar den siegreichen Germanen 
irgendwie entgegengetreten ist, in die Verbannung ziehen, vielleicht 
im Jahre 437 n. Chr. Er ging nach Kleinasien und hat sich dort dem 
Mönchtum des Basilius an geschlossen. Als ein begeisterter Vorkämpfer 
des orthodoxen Bekenntnisses und des orientalischen Mönchtums ist 
er frühestens im Jahre 454 nach Norikum gelangt. 
Aus der Jahreszahl 437 ließen sich dann weiter Rückschlüsse auf Geburtsjahr 
Geburtsjahr und Lebensalter des heiligen Severin machen. Damals b und ' lt 
wird er, wenn er Bischof war, mindestens 30 Jahre alt gewesen sein, da g ever i ns> 
nach den ältesten Canones Bischöfe und Priester dieses Alter vollendet 
haben sollten * 2 ). Severin wäre dann ums Jahr 407 geboren, wäre mit 
47 Jahren im Jahre 454 auf seinen Wirkungsschauplatz Norikum ge 
kommen und im Jahre 482 im Alter von 75 Jahren gestorben. Aus 
der vita ließen sich keine Argumente gegen, sondern nur für eine der 
artige Festlegung der Zahlen der Jahre und des Lebensalters gewinnen. 
Die Erzählung des 4. Kapitels von Severins abgehärteter Natur und ihrer 
Fähigkeit, alle Anstrengungen spielend zu ertragen, entrollen ein Bild 
von einem Manne noch in verhältnismäßig gutem und kräftigem Lebens 
alter, für das 47 Jahre ganz angemessen erscheinen. Der Bericht des 
7. Kapitels von Severins Begegnung mit Odovakar nennt diesen einen 
*) Epistola Eugippii ad Paschasium 9: quid prodest, inquit, servo dei significatio sui loci 
vel generis, cum potius id tacendo facilius possit evitare iactantiam, utpote sinistram (p. 4, 9). 
Vergl. auch den Art. „Bayern“, Kirchenlexikon von Wetzer und Welte 1888 II 2 93. 
Büdinger, Österreichische Geschichte 1858 I 47 Anm. 3 meint, man habe diese Äußerung 
Severins eigentlich ohne Grund auf vornehme Abkunft deuten wollen. 
2 ) Cap. 4 Dist. 78 (conc. Neoc. zw. 314 und 325). Cap. 6 Dist. 77 (conc. Agath. 506). 
Richter-Dove, Kirchenrecht S. 293. L. Thomassin, Vetus et nova ecclesiae disciplina I 2 
cap. 67—70. Friedberg, Kirchenrecht S. 135 Anm. 5.
	        
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