Full text: Die Lebensbeschreibung Severins als kulturgeschichtliche Quelle (2 ; 1903)

weltlichen Mann ein großes Unrecht ist, sündhaft zu leben, um wie viel 
mehr für Mönche, die, auf der Flucht vor der Welt wie vor einem wilden 
Raubtier, Christus allen Leidenschaften vor gezogen haben und deren 
Gang und Haltung schon als ein Beweis ihrer Tugend gelten soll“ 1 ). 
Das Beispiel des Patriarchen Abraham, der auf Gottes Ruf auszog 
aus dem Lande seiner Freundschaft und nicht wußte, wohin er kommen 
würde, gilt hier dem Severin als vollkommenste Betätigung des „parentes 
relinquere“. Das Mittelalter hat häufiger seitdem die christlichen Missions 
boten mit Abraham verglichen. Unter anderen sei auf einen Hymnus 
des 12. Jahrhunderts verwiesen, der den im Jahre 521 geborenen älteren 
Kolumba, der auf der Hebrideninsel Jona das Kloster Hy begründet 
hat, einen zweiten Abraham nannte 2 ). 
Die „humilitatis regula“ erklärt schon in der Vorrede des Eugippius 
der heilige Severin als für ihn besonders verbindlich 3 ). Seine „tota mentis 
humilitas“ preist das i. 4 ), seine „intima humilitas“ das 4. Kapitel 5 ), 
einen „doctor humilis“ nennt ihn das 36. Kapitel 6 ). Die Mönche seines 
Klosters, die „von abscheulichem Hochmut befleckt sind“, werden der 
Zuchtrute Gottes überantwortet und erst durch vierzigtägiges Fasten von 
ihrem Dämon befreit 7 ), wobei eine Erzählung des Sulpicius Severus 
(363 — 410) von der Bestrafung der „iactantiae vanitas“ zur Sprache 
kommt. 
Während Severin von allen Gläubigen neben Beten und Fasten be 
sonders „Werke der Barmherzigkeit“ verlangt 8 ), hält er seine Mönche 
b Cap. 43, 6: mores igitur proposito suscepto consentiant: grande nefas est peccata sectari 
etiam hominem saecularem, quanto rnagis monackos, qui blandimenta saeculi quasi atrocem 
bestiam fugientes Christum cunctis affectibus praetulerunt, quorum incessus et habitus virtutis 
creditur esse docüfnentum? (p. 51, 9). 
2 ) Mone, Lateinische Hymnen des Mittelalters 1853—54 III 256. 
3 ) Eugippii epistola ad Paschasium 9: cum possit evitare iactantiam, utpote sinistram, qua 
nesciente cupit omne opus bonum Christo donante perficere (p. 4, 11). 
4 ) Cap. 1, 2 (p. 12, 4). 
5 ) Cap. 4, 11 (p. 16, 14). 
6 ) Cap. 36, 1 (p. 43, 22). 
7 ) Cap. 36, 1: superbiae foeditate respersos (p. 43, 22). 
8 ) Cap. 1, 2: ut orationibus ac ieiuniis et misericordiae fructibus inhiberent (p. 12, 5). 
Cap. 1, 4: ieiunio et orationibus atque elemosynis hortabatur armari (p. 12, 18). Cap. 12, 2: 
in ieiunio et fletu — dignis operibus (p. 23, 29). Cap. 28, 1: orationibus et ieiuniis atque 
elemosynis insistentes (p. 36, 12). 
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