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Klassische Kunstarchäologie. II. Geschichte der alten Kunst.
am strengsten durchgeführt. 1 ) Ausser rein geometrischen Ornamenten * 2 )
bemerken wir dekorative Reihen von Vögeln 3 ) und einfache Schiffsbilder
(Vorläufer der Marinedarstellungen der Dipylonvasen), welche den Bronze
messern eigen sind. 4 ) Orientalische, d. h. symbolische Ornamente (S. 230 ff.)
begegnen wohl an Gefässen, 5 ) dagegen fehlt der eigentliche orientalische
Stil hier fast ganz. 6 ) Das schönste Beispiel von Aufsatzfiguren liefert
Gallien in einem Deckel mit Zweigespann und Lenker. 7 ) Überbleibsel der
vorigen Periode begegnen seltener als im Venetergebiete. 8 )
In Thon bleibt der Stil gleich, nur tritt hier die Farbe ein. Die
roten, schwarzen und weissen Ornamente finden sich wenigstens in Böhmen,
dem südlichen Baden 9 ) und Württemberg und in Gallien 10 ) als Import
oder Nachahmung venetischer Gefässe. An der Bernsteinstrasse wird die
Bemalung von Vasen fortgesetzt, wobei noch immer die weisse Farbe vor
wiegt, wenn auch Rot und ein bläulicher Stoff dazukommen, 11 ) ein Geschmack,
der mit dem altetruskischen sich berührt. Farbige Glasperlen und Elfen
bein gelangten bis nach Brittanien.
Das heutige Russland konnte sich den allgemeinen Bewegungen um so
weniger entziehen als die Griechen verschiedene Punkte der Küste besetzten.
Natürlich finden wir vieles Bekannte wieder: in der Krim Besfiguren und Gold
plättchen mit Flügelstieren, 12 ) und inTschertomlizk (Südrussland) einBronzege-
fäss mit rohen Tieren am Rande, 13 ) an einem Henkel die vierflügelige Medusa. u )
Wir dürfen uns überhaupt die Kultur der Psammetichidenzeit nicht
eng begrenzt denken. Im Gegenteil empfingen damals entfernte Länder
gewisse technische Kenntnisse, von denen sie bis heute zehren, z. B. ge
hören zur Erbschaft dieser Zeit die Buccherogefässe des Sudans und Fayence
und Smalt Ostasiens. Nicht minder wird man da und dort die Dekorations
weise finden. 15 )
Litteratur: s. zu § 831.
333. Wir haben die Einzelheiten ausführlich auseinandergesetzt,
damit die Bedeutung jedes Volkes innerhalb des gemeinsamen geistigen
Lebens richtig hervortrete. Wir sahen an der Peripherie der alten Kultur
länder eine individuelle Richtung, die freilich nicht in neuen Elementen,
J ) Conestabile (S. 568,4) führt auch die
nordischen Beispiele an, namentlich aus
Dänemark (Atlas de l’arch. du Nord T. B
5, 2—8. 6, 4), Grosshrittanien (Franks, horae
ferales, T. 11) und Schweden (Montelius,
antiquitös suedoises T S. 54 F. 179 a—o).
2 ) Z. B. Armhand, bei Bonstetten (S.
143) T. 10, 1. 2 und Bronzeplättchen (Mitt.
d. Züricher Ges. XIV H. 6 T. 8).
3 ) Kamm aus Flensburg: Hohnes, Ur-
gesch. S. 403; Schild aus einem schwäbischen
Torfmoore: das. S. 397.
4 ) Worsaae, nordisk oldsager 1853 F.
75; Lindenschmit II 3, 3, 7—9. 12 (aus Däne
mark und Norddeutschland).
5 ) Z. B. Triquetrum in Posen: Virchow,
Verh. d. Berl. anthrop. Ges. 1874, 110. 219;
Ztschr. f. Ethn. VI T. 15, 2 bc.
6 ) Goldblech mit Sphinxen, aus Weiss-
kirchen hei Trier: Genthe S. 154,12; Greifen
köpfe am Rande eines Beckens, bei Lüne
burg: Lindenschmit II 3, 5, 1.
7 ) Undset, Ztsch. f. Ethn. 22,55. Häufiger
sind Vögel (z. B. Richly T. 38).
8 ) Atlas de l’arch. du Nord B VI Nr. 5.6.10.
9 ) Anthrop. Korresp. 1885, 74 f.
10 ) Ga. 9, 189 f. (eine Art Greife in Rot
violett).
n ) Gräberfeld von Zahorowo; s. auch
Verh. d. Berl. anthrop. Ges. 1877 S. 221 f.
12 ) CR. 1865, 195. 201 f. T. 6, 13. 14;
1876, 138 T. 3, 2.
13 ) Kondakof, antiq. S. 262.
14 ) Trudü VI. archeol. sbje9da w Odessjä
Bd. I T. 1.
15 ) Z. B. entsprechen den Zierschilden
des jüngeren geometrischen, bereits mit
Sternblumen und Rosetten versetzten Stiles
die zwei Tam-Tam der Schan (Hinterindien)
im ethnographischen Museum zu Rom.