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Die Oberste Heeresleitung vor den Frllhjahrskämpfen.
Winter ISIS/,7. konnte, wenn sie der Meinung war, daß der mögliche Erfolg den Einsatz
nicht lohne. Im übrigen lag die Entscheidung bei der Obersten Heeresleitung.
Die Vorschrift erkannte aber auch klar die außerordentlichen Schwierig-
leiten, die der Leitung des Kampfes, vor allem seiner Unterstützung durch die
Artillerie von dem Augenblick an erwuchsen, da die eigene Infanterie nicht
mehr die ihrer Lage nach bekannte vorderste Linie hielt, sondern ausweichend
und gegenstoßend im Zwischengelände kämpfte. Dabei waren ihre Lage und
ihre Absichten erfahrungsgemäß nur zu oft viele Stunden lang völlig unbe-
kannt. Hier sollten „Infanterie-Flieger" Wandel schaffen, die
durch Feststellung des jeweiligen Verlaufs der vorderen Linie, Übermittlung
von Befehlen und Nachrichten sowie Anfordemng von Sperrfeuer die Ver-
bindung zwischen der vorn kämpfenden Infanterie einerseits, der Führung
und der Artillerie andererseits herzustellen hatten. Sie sollten den Divisionen
an den Hauptkampffronten zugewiesen werden. Der Verkehr vom und zum
Flugzeug hatte durch Auslegen von Signaltüchern, Signallampen, Leucht¬
zeichen, abzuwerfende Nachrichten zu geschehen; für „dringende Meldungen,
die sofortige Maßnahmen erfordern", namentlich für Sperrfeueranforderung,
stand dem Flieger Funkentelegraphie zur Verfügung. Ähnliche Aufgaben
sollten „in beschränktem Maße" die den Divisionen zuzuteilenden Infanterie-
Ballone erfüllen.
Luftstreitkräfte.
Die Aufstellung der Grundsätze für die Abwehrschlacht fiel in eine Zeit,
da die F l i e g e r w a f f e sich entsprechend ihrer zunehmenden Bedeutung
für die erfolgreiche Durchführung der Kampfhandlungen eine Stellung als
selbständige Kampftruppe zu erringen begann. Das war darin
begründet, daß die Flieger, soweit sie nicht als Artillerie- und Infanterie-
flieger unmittelbare Hilfstmppen des Erdkampfes waren, nunmehr den Kampf
in der Luft, das heißt gegen die feindlichen Flieger — auch wenn er nicht
Selbstzweck war —, doch als ihre vornehmste Aufgabe aufzufassen begannen;
denn ohne ihre Lösung waren auch alle sonstigen Aufgaben nicht mehr zu
erfüllen. Damit wurde eine besondere Lufttaktik mit allen daraus sich
ergebenden Folgerungen notwendig. Die Oberste Heeresleitung hatte daher
auf Grund der aus den bisherigen schweren Abwehrkämpfen gewonnenen
Erfahrungen sowie aus der sorgfältigen Beobachtung der Kampftaktik der
Gegner die ersten Vorschriften erlassen, die in bindender Form die Grund-
sätze festlegten, die für die Durchführung operativer und taktischer Erkundung,
für den Kampf um den Luftraum sowie gegen Erdziele von Bedeutung
waren.