Volltext: Die Kriegsführung im Frühjahr 1917 (12. 1939)

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Die Doppelschlacht an der Aisne und in der Champagne. 
Die Eingreif-Divisionen waren je nach Lage und Gelände verschieden 
verwandt worden. Bei den Gruppen Vailly und Liesse der 7. Armee hatte 
der sumpfige und meist vergaste Ailette-Grund ihr rechtzeitiges und einheit¬ 
liches Vorkommen am ersten Kampftage verhindert; sie waren nur in der 
Lage gewesen, die schon erheblich zurückgedrängte deutsche Front zu stützen, 
nicht aber, sie wieder vorzureißen. Im Gegensatz hierzu stand der sichtbare 
Erfolg der 50. Infanterie- und Garde-Ersatz-Division, die bei den Gruppen 
Sissonne und Vrimont einheitlich zum Gegenangriff angesetzt wurden. Bei 
der Gruppe Prosnes wiederum zersplitterte sich am 17. April bei ungünstigen 
Geländeverhältnissen die Stoßkraft durch Verteilung des Einsatzes auf den 
ganzen schwer bedrohten Abschnitt; hier wären zwei Eingreif-Divisionen 
nötig gewesen, um die Aufgabe zu lösen. Insgesamt haben nahes Heran- 
halten und frühzeitiger Einsatz starker Eingreif-Kräfte zum Gegenangriff 
entscheidend dazu beigetragen, dem Vordringen des Gegners ein Ziel zu 
setzen und damit wichtige Geländepunkte festzuhalten oder zurückzugewinnen. 
Das gilt vor allem für den Kampf um entscheidende Abschnitte des Ehemin 
des Dames-Rückens und um die Höhen von Moronvilliers. Die erste Probe, 
die „Eingreif-Divisionen" hier bestanden, führte dazu, daß dieser Begriff 
auch in die Vorschriften der Obersten Heeresleitung aufgenommen wurde. 
Für den Großkampf sollte künftig möglichst in jedem Gruppenabschnitt eine 
solche Division bereit stehen, dahinter weitere Reserven der Heeresgruppe und 
Obersten Heeresleitung. 
Frühzeitiges Hineinwerfen immer wieder frischer Kräfte in den Kampf 
hat aber auch zu einem außerordentlich hohen Verbrauch anTruppen 
und im Zusammenwirken mit der offensiven Führung des Artilleriekampfes 
zu einer so gewaltigen Steigerung des Munitionseinsatzes 
geführt, wie er nur ganz vorübergehend, nicht aber für längere Zeit geleistet 
werden konnte. So mußte die Heeresgruppe ihren Armeen bereits am 7. Mai 
mitteilen, daß wieder ganz bedeutende Abstriche an den Munitionsanforde- 
rungen gemacht worden seien und daß Forderungen, wie in der letzten Zeit, 
künftig nicht mehr erfüllt werden könnten. Wenn auch „selbstverständlich an 
Großkampftagen mit Munition nicht gegeizt" werden solle, so sei doch an 
anderen Tagen und „auch innerhalb der Kampf-Armeen an nicht unmittelbar 
angegriffenen Abschnitten" eine ganz erhebliche Verminderung des Ver¬ 
brauchs nötigt). Hinsichtlich der Eingreif-Divisionen mußte die Heeresgruppe 
0 Zwei Tage darauf hieß es in einer Verfügung der O. H. L.: „An der West- 
sront sind im Monat April zehn Millionen Artillerieschuß verschossen worden Der 
Feind hat in der gleichen Zeit vielleicht 200 000 Mann verloren, von denen jedenfalls 
nicht mehr als die Hälfte der Artillerie zugeschrieben werden können. Wenn demnach 
auf Ivü Schuß nur ein Toter oder Verwundeter entfällt, so kann von guter Ausnutzung 
der Munition nicht gesprochen werden" (wobei allerdings die moralische Wirkung unbe-
	        
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