Volltext: Die Kriegsführung im Frühjahr 1917 (12. 1939)

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Die Angriffspläne der Entente bis Mitte März. 
2S. Februar. Bezüglich der Eisenbahnlage gab der französische Sachverständige die 
Zusicherung, daß den englischen Forderungen von Ende März ab Genüge 
geschehen würde. Was die zur Vorbereitung der Offensive notwendige Zeit 
betraf, so rechnete Feldmarschall Haig mit drei Wochen von dem Augenblick 
ab, an dem die volle Eisenbahnleistung erreicht sei. General Nivelle hielt 
diese Frist für unnötig lang. Cr benutzte die Gelegenheit, um nochmals zu 
betonen, daß von endlosen Kämpfen wie in der Somme-Schlacht keine Rede 
sein könne; entweder wäre innerhalb von 14 Tagen der Durchbruch geglückt, 
oder die ganze Operation würde angehalten. Infolgedessen brauche man 
auch nicht mit übermäßiger Dauerbeanspruchung der Bahnen zu rechnen. 
Im Anschluß hieran äußerte sich General Nivelle auf Wunsch 
des englischen Premierministers über den britischen Angriffs- 
entwurf, der erst fürzlich zu seiner Kenntnis gekommen war. Feld- 
Marschall Haig gedachte den Hauptangriff mit seiner 3. Armee beiderseits 
der Searpe über die Linie Neuville-Vitaffe—Fampoux zu führen, wobei er 
südlich des Fluffes acht, nördlich davon vier Divisionen einsetzen und nach 
gelungenem Durchbruch die deutsche Front südwärts in der Richtung auf 
Eroisilles und Vulleeourt aufrollen wollte. Links davon war ein Reben- 
angriff von fünf Divisionen der 1. Armee gegen die Vimy-Höhen vorgesehen, 
rechts des Hauptangriffs sollte ein zweiter von zwölf Divisionen der 
5. Armee beiderseits der Ancre zwischen der Straße Albert—Vapaume 
und Hebuterne ablenkend wirken. Diese Absichten entsprachen aber nicht ganz 
den Gedankengängen des Generals Nivelle. Der französische Oberbefehls- 
haber hätte es lieber gesehen, daß auf den Angriff gegen die Vimy-Höhen 
verzichtet und dafür die Kräfte für den Angriff in der Richtung auf Vapaume 
entsprechend verstärkt wurden. Den Hauptangriff wünschte er nicht beider- 
seits, sondern nur südlich der Searpe auf Eroisilles zu führen. Auch schien 
es ihm vorteilhaft, den englischen Stoß vier oder fünf Tage vor dem An- 
treten der französischen Heeresgruppe Nord beginnen zu lasten. Feldmarschall 
Haig wollte jedoch auf die Wegnahme der Vimy-Höhen nicht verzichten, 
da ihr Besitz in jedem Falle von größter Bedeutung sei. Im übrigen wies 
er darauf hin, daß alle südlich der Ancre eingesetzten Kräfte sich bald vor 
der starken „Hindenburg-Linie"') festlaufen würden, deren Vorhandensein 
bereits bekannt war. 
Die Verschiedenartigkeit des britischen und französischen Standpunktes 
in dieser operativen Frage benutzte Lloyd George zur völligen Überraschung 
seiner militärischen Berater dazu, die Einheit des Oberbefehls 
>) Gegnerische Bezeichnung für die „Siegfried-Stellung".
	        
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