Full text: Die Kriegsführung im Frühjahr 1917 (12. 1939)

II. Die Angriffspläne der Entente 
bis Mtte März. 
A.Gesamtlaye beim Jahreswechsel 
Beilagen 2 a und 23; Karte 1 von Band XI. 
Auf der Konferenz von Chantilly') am 15. November 1916 hatten die Linter 
verbündeten Mächte ihre Aussichten noch recht günstig beurteilt. An der 
Westfront schien der Gegner durch die Kämpfe bei Verdun und an der 
Somme schwer mitgenommen, und auch seine Ostfront war durch die 
Brussilow-Ofsensive stark erschüttert worden. Am Balkan hoffte man trotz 
aller Rückschläge noch auf Sieg. Bei Beginn des neuen Jahres zeigte sich 
aber die allgemeine Lage in wesentlich trüberem Lichte. Der Zusammen- 
bruch Rumäniens bedeutete mehr als eine örtliche Schlappe; er entschleierte 
Rußlands Ohnmacht. Wenn aber das Gewicht der russischen Angriffskraft 
fortfiel, so war der gesamte Osten lahmgelegt: Rumäniens Armee durfte 
dann von Glück sagen, wenn es ihr gelang, sich hinter dem Sereth zu be- 
haupten, während General Sarrails Offensive gegen Bulgarien ohnehin 
schon aussichtslos geworden war. Griechenland hoffte man noch zur vollen 
Teilnahme am Kriege zu bringen. 
Als Folge der veränderten Lage an der Ostfront rechneten die militä- 
rifchen Kreise der Verbündeten damit, daß die Mittelmächte zu Beginn des 
Feldzuges von 1917 den Balkan abriegeln und sich — möglicherweise durch 
Schweizer Gebiet und unter Ausweichen an der Westfront — auf Italien 
werfen könnten. Auch schien es, wenn schon die schweizerische Neutralität 
verletzt wurde, nicht ausgeschlossen, daß der deutsche Stoß von vornherein 
die Richtung gegen Frankreich, auf Lyon, bekam. 
Rechnete man die beängstigende Zunahme der Schiffsverluste durch die 
deutschen Unterseeboote hinzu, so zeigte das Verlustkonto der Verbündeten 
ein bedenkliches Anschwellen. Auf der Gewinnseite konnte nur das Friedens- 
angebot der Mittelmächte gebucht werden, aus dem eine gewiffe Kriegs- 
Müdigkeit zu sprechen schien. Auch der im November eingetretene Thron- 
Wechsel in Österreich-Ungarn ließ vielleicht günstige Cntwicklungsmöglich- 
leiten erwarten. Der Friedensvorschlag des Präsidenten der Vereinigten 
Staaten wurde dagegen als unbequem empfunden; denn ein Friede auf der 
Grundlage der derzeitigen Machtverhältnisse schien gleichbedeutend mit dem 
1) Bd. XI, S. 433 ff.
	        
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