Full text: Die Kriegsführung im Herbst 1916 und im Winter 1916/17 : vom Wechsel in der Obersten Heeresleitung bis zum Entschluß zum Rückzug in die Siegfried-Stellung (11. 1938)

Rumäniens Eintritt in den Krieg. 
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erfolgs der Mittelmächte cm*). Cr hielt einen entscheidenden Sieg der 
Entente auf dem Schlachtfelde für sehr wohl möglich; namentlich beschäf- 
tigte ihn der Gedanke einer russischen Offensive in Oftgalizien, nachdem der 
rumänische Militärattache bei einem Besuch an der dortigen Front der 
Mittelmächte nur noch österreichisch-ungarische, aber keine deutschen Truppen 
mehr gesehen hatte. Da die Österreicher und Ungarn weniger Widerstands- 
fähig seien als die Deutschen — so meinte der Ministerpräsident —, habe 
ein großangelegter russischer Angriff gegen ihren rechten Flügel viel Aus- 
sicht auf Erfolg. Alles in allem würden die Mittelmächte nicht Sieger 
bleiben; Deutschlands Bundesgenossen würden der inneren Zustände wegen 
doch einmal nachgeben müssen. 
Dieses Arteil des rumänischen Ministerpräsidenten über die öster¬ 
reichisch-ungarische Ostfront schien bestätigt, als im Juni die Russen in 
Wolhynien, Galizien und der Bukowina unverhofft große Erfolge errangen. 
Als dann Anfang Juli Franzosen und Engländer an der Somme zum 
Angriff übergegangen waren, hielt auch General A l e x e j e w den Augen- 
blick für gekommen, in dem die Rumänen sich für die Entente entscheiden 
müßten. Am 5. Juli drohte er, daß ihre Mitwirkung gar nicht mehr nötig 
wäre, wenn sie auf noch weitere Schwächung Österreich-Ungarns warten 
wollten, und daß dann auch keine Ursache vorliege, sie am Einmarsch in 
dessen Gebiet teilnehmen zu lassen. In Bukarest aber zögerte man noch. 
Des Wartens müde, forderten die alliierten Mächte am 18. Juli Rumänien 
auf, sich ihrem Bündnis anzuschließen: „Jetzt oder niemals!" Daraufhin 
unterzeichnete am 23.Juli der rumänische Militärattache in Paris, Oberst 
Rudeanu, den Entwurf einer Militärkonvention, durch die Rumänien sich, 
Frankreichs Wünschen entsprechend, verpflichtete, die Hauptkräfte gegen Bul- 
garien einzusetzen, um im Zusammenwirken mit der Orient-Armee zuerst diesen 
Gegner auszuschalten. In Bukarest lehnte man ein solches Abkommen 
aber ab. Man wollte die Hauptkräfte gegen Österreich-Ungarn führen^), 
wo die Inbesitznahme der von eigenen Volksgenossen bewohnten Gebiete 
als Kriegsziel winkte. Das entsprach auch den Wünschen Rußlands. Auf 
fein Betreiben wurden Verhandlungen mit Bulgarien geführt, um dieses 
Land vom Eingreifen abzuhalten. Zur bloßen Sicherung der Dobrudscha 
schien dann schon das Auftreten eines schwächeren russischen Hilfskorps zu 
genügen; denn einen Angriff gegen russische Truppen, so meinte man, 
würden die Vulgaren nur ungern führen, wenn nicht gar verweigern. 
1) Bericht des Militärattaches in Bukarest, Obersten Freiherrn von Hammer- 
stein-Gesmold, vom 10. Mai. 
2) Kiritzesco: „La Roumanie dans la Guerre Mondiale", @.62. 
Weltkrieg. XI. Band. 4
        

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