Full text: Die Kriegsführung im Herbst 1916 und im Winter 1916/17 : vom Wechsel in der Obersten Heeresleitung bis zum Entschluß zum Rückzug in die Siegfried-Stellung (11. 1938)

Westfront: Entschluß zum Ausweichen in die Siegfried-Stellung. 
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die Möglichkeit zu taktischen, wenn möglich zu strategischen Erfolgen zu 
verschaffen. 
„Wir kennen die große Überlegenheit der Entente auf der Westfront. 
Neuerdings stellt aber auch Rußland Neuformationen auf. Wie viele, 
wisien wir noch nicht, auch müsien wir mit zehn rumänischen Divisionen 
noch rechnen. 
„Wir stehen vor einer großen feindlichen Offensive zunächst in Italien, 
dann wohl im Elsaß und an weiteren drei Punkten der Westfront, etwas 
später wird der Angriff einsetzen an der Ost- und Siebenbürgischen Front. 
Schon im März wird der Kampf auf West- und Ostfront in vollem 
Gange sein. 
„Wir werden die Angriffe abweisen, aber wir haben nur wenig 
Reserven, um etwaige Rückschläge auszugleichen oder, was angestrebt 
werden muß, selbst anzugreifen. Wir liegen in unserer langen Stellung 
im wesentlichen operativ fest. Es kommt auch hinzu, daß die Munitions- 
läge noch nicht derart ist, um im März einem Angriff auf allen Fronten 
die erforderliche Munition entgegenzustellen. 
„Wir müssen die feindlichen Angriffe hinausschieben und Reserven 
gewinnen und damit größere Sicherheit in den Operationen und operative 
Freiheit. Dies ist nur möglich, wenn wir an einer Stelle unsere Front 
durch Zurückgehen kürzen. Dies kann bei Heeresgruppe Kronprinz Rupp- 
recht durch Zurückgehen in die Siegsried-Stellung verwirklicht werden, 
Angriff an dieser Stelle wird bis Ende April hinausgeschoben. 
„Wir sparen dadurch nach Meldung der Heeresgruppe 13 Infanterie- 
Divisionen und über 50 schwere Batterien und ebensoviel Feldartillerie. 
„Es kommt hinzu, daß Lage bei der I.Armee von Armee und Heeres- 
gmppe nicht günstig angesehen wird, sowohl Stellungsbau als auch Zustand 
der Truppe. 
„Den Vogen der 1. Armee zu halten, ist auf die Dauer nicht möglich, 
er müßte aufgegeben werden, das steht unbedingt fest. Bleibt man hierbei 
stehen, so erreicht man bereits gewisse Vorteile — Ersparnis von sechs 
Divisionen und entsprechende Artillerie —, aber etwas Ganzes wird nicht 
erreicht, dies ist in operativer Beziehung nur der Fall, wenn Siegfried- 
Stellung gewählt wird. 
„Militärische Nachteile sind damit nicht verbunden. Die Truppe 
kommt darüber hinweg, wenn sie wirklich geführt wird. Zudem sind Vor- 
bereitungen bereits seit langem getroffen und können planmäßig weiter- 
gehen. Der Rückzug muß im März ausgeführt werden. 
„Politische Nachteile sind gewiß vorhanden, aber der Engländer ist 
von Gallipoli zurückgegangen, wir gingen von Warschau zurück. Geschadet 
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