Full text: Die Kriegsführung im Herbst 1916 und im Winter 1916/17 : vom Wechsel in der Obersten Heeresleitung bis zum Entschluß zum Rückzug in die Siegfried-Stellung (11. 1938)

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O. H. L-: Entwicklung der Gesamtlage. 
12. Februar, bereitungen für das Zurückgehen in die Siegfried-Wotan-Stellung seien 
aufgehoben, soweit Verteilung der Arbeitskräfte in Frage komme. Diese 
könnten erst eingeteilt werden, wenn feststehe, daß und in welche Stellung 
zurückgegangen werde. Zurückgehen sei auf alle Fälle möglich, selbst wenn 
der Frost andauere oder der Feind inzwischen angreife. Voraussetzung sei 
aber, daß bald entschieden werde, in welche der beiden Stellungen aus- 
gewichen werden solle. Am folgenden Tage hatte General von Kühl eine 
Besprechung mit den Generalstabschefs der Armeen, die er über seine Denk- 
schrift vom 28. Januar unterrichtete. Er legte — wie Oberst von Löhberg 
dabei aufzeichnete — dar, daß der Gegner wahrscheinlich an mehreren 
Stellen angreifen werde. Das sei „für uns betreffend Munition und 
Reserven am schlechtesten". Das Unternehmen „Vlücher" der 7. Armee') 
sei nicht ausführbar, da es zuviel Artillerie erfordere. Bei der Aussprache 
über die Frage des Ausweichens zeigte sich, wie schwer es den Armeechefs 
wurde, die jetzige Stellung aufgeben zu sollen; wenn ihnen Ersatz aller Art 
reichlich zufließe, glaubten sie halten zu können. Diese Voraussetzung aber 
war unerfüllbar. Ausweichen — so zeichnete Oberst von Loßberg weiter 
auf — „bringt etwa zwei Monate Zeitgewinn und gewisse operative Frei- 
heit des Handelns. — Kühl persönlich für ganzen Entschluß, also Sieg- 
fried". Die Entscheidung der Obersten Heeresleitung stehe noch aus, sie 
werde durch Stichwort bekanntgegeben werden. 
Inzwischen war auch bei General Ludendorff der Entschluß zum 
4. Februar. Rückzüge in die Siegfried-Stellung herangereift. Am 4. Februar rief er 
General von Kühl an den Fernsprecher und erwog mit ihm nochmals das 
Für und Wider, um die an diesem Tage vom Kaiser zu erbittende Ent¬ 
scheidung vorzubereiten. Für diese schrieb er folgende Denkschrift 
nieder, der Generalfeldmarschall von Hindenburg durch seine Unterschrift 
zustimmte: 
„Großes Hauptquartier, 4. Februar 1917. 
„Zurückgehen in Siegfried. 
„Durch den U-Voot-Krieg soll die Entente zum Nachgeben gezwungen 
werden. Hierzu ist eine Reihe von Monaten erforderlich. Während dieser 
Zeit dürfen wir auf den Kriegsschauplätzen zu Lande einen Mißerfolg nicht 
erleiden. Wir müsien zudem mit Menschen und bei der verringerten Muni- 
tionsergänzung auch mit Munition und sonstigem Kriegsmaterial haus- 
hälterisch umgehen, bis durch den A-Voot-Krieg unsere Anterlegenheit aus- 
geglichen ist. Auf der anderen Seite müssen wir operativ frei sein, um uns 
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