Full text: Die Kriegsführung im Herbst 1916 und im Winter 1916/17 : vom Wechsel in der Obersten Heeresleitung bis zum Entschluß zum Rückzug in die Siegfried-Stellung (11. 1938)

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O. h, £.: Anterseekrieg und Friedensangebot. 
I. Sttober. Unter 2. bis 4. wies der Kanzler nochmals auf die Gefahr hin, daß 
Holland, das „nach mir zugänglichen Nachrichten" insgesamt über 700000 
Mann') verfüge, in den Krieg gegen uns eintreten und Dänemark diesem 
Beispiel folgen werde. Auch für Spaniens Haltung fürchtete er. Weiter hieß es: 
„5. Die Wirkung des U-Boot-Krieges auf England bleibt Sache 
unsicherer Schätzung. Für uns günstige Momente sind schlechte bzw. mittel- 
mäßige Ernten in England, Nordamerika, Kanada und Argentinien. Trotz- 
dem bleibt bestehen: 
a)Unmöglichkeit hermetischer Absperrung Englands; 
d) Möglichkeit, unumgänglich notwendige Zufuhren bei Nacht oder 
unter dem Schutze eines Eonvois nach England zu befördern; 
c) Unmöglichkeit, Transporte zwischen England und Frankreich zu 
unterbinden, wenn sie auch vielleicht partiell und zeitweise gestört 
werden können. 
Hiernach Aussicht, England schwer zu schädigen, zwar vorhanden, Wahr¬ 
scheinlichkeit aber, es zum Frieden zu veranlassen, wenn Amerika, Holland, 
Dänemark und Spanien sich ihm anschließen, zum mindesten problematisch. 
„Die hierdurch eröffneten Perspektiven sind so ungeheuer ernst und von 
so großer allgemeiner Tragweite, daß sie, selbst abgesehen von der in 
Amerika schwebenden Aktion, Seiner Majestät in gemeinschaftlichem Vor¬ 
trage dargelegt werden müssen, bevor der endgültige Entschluß fällt." 
Darauf konnte dem Kanzler zunächst sein Vertreter im Großen Haupt- 
2.Oktober, quartier, Legationsrat Freiherr von Grünau, am 2. Oktober berichten^): 
Der Generalfeldmarschall und General Ludendorff 
haben wiederholt mit Nachdruck ausgesprochen, wie sehr sie die Ent¬ 
stehung des irrigen Eindrucks bedauerten, als ob „ihrerseits eine Ent- 
scheidung in einer Frage getroffen worden wäre, die nur im Venehmen mit 
Euerer Exzellenz entschieden werden könne. Beide Herren betonten mehr- 
fach, daß die loyale Zusammenarbeit mit Euerer Exzellenz durch keinen 
Mißton gestört werden dürfe und daß ihnen nichts ferner liege, als hinter 
dem Rücken Euerer Exzellenz Sonderpolitik zu treiben oder sich überhaupt 
in die politischen Geschäfte einzumischen; je mehr in einer Frage sachliche 
Differenzen beständen, um so offener müsse man sich gegenseitig aussprechen, 
aber für Quertreibereien seien sie nicht zu haben." 
Zur Frage der Verantwortlichkeit selbst nahm der Generalfeldmarschall 
5. Sttober. in dem schon erwähnten Telegramm vom 5.Oktober') Stellung, in dem er 
zum Schluß darauf hinwies, daß der Kanzler tatsächlich einen anderen 
Standpunkt einnehme, als er, der Generalfeldmarschall, bisher geglaubt habe. 
Die Zahl war bedeutend zu hoch gegriffen. — Abgedruckt in den Unters. 
Aussch. Beil. 164. — 3) S. 446.
        

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