Full text: Die Kriegsführung im Herbst 1916 und im Winter 1916/17 : vom Wechsel in der Obersten Heeresleitung bis zum Entschluß zum Rückzug in die Siegfried-Stellung (11. 1938)

Verhandlungen über einheitlichen Oberbefehl. 
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B. Verhältnis zu den Bundesgenossen. 
I. Schaffung einer Obersten Rriegsleirung. 
Die gespannte Lage auf allen Kriegsschauplätzen, besonders aber die E«v- A«g«st. 
Kriegführung gegen Rumänien, an der deutsche, österreichisch-ungarische, 
bulgarische, türkische Truppen beteiligt waren, machte es dringender denn je, 
eine oberste Befehlsstelle zu schaffen, die möglichst unbeschränkt über die 
Streitkräfte aller vier Verbündeten verfügen konnte. Daß diese oberste 
Stelle nur der Deutsche Kaiser und damit die deutsche Oberste Heeres- 
leitung sein konnte, stand außer Zweifel. So sehr solche Lösung den 
Bedürfnissen der gemeinsamen Kriegführung entsprochen hätte, so sehr 
bedeutete sie für die anderen Beteiligten eine offenkundige Beschränkung 
ihrer Selbständigkeit. Das empfand man in erster Linie in Österreich- 
Ungarn, und gerade daran waren alle bisherigen Versuche gescheitert. Der 
letzte, von General von Falkenhayn am 21.August unternommen, hatte 
aber angesichts der immer stärker zutage tretenden eigenen Hilfsbedürftig- 
keit und der drohenden rumänischen Gefahr wenigstens einen ausführlichen 
Gegenvorschlag der österreichisch-ungarischen Heeresleitung gezeitigt'). Dieser 
bedeutete zwar praktisch noch keinen Fortschritt, da wiederum alles von 
jedesmaliger vorheriger Vereinbarung zwischen der deutschen und der öfter- 
reichisch-ungarischen Heeresleitung abhängen sollte, Generalfeldmarschall 
von Hindenburg ergriff aber doch die Gelegenheit, an ihn anzuknüpfen; 
denn nach der Kriegserklärung Rumäniens hatten bereits die ersten Be- 
sprechungen mit Generaloberst von Conrad am 29. und 31. August Gegen- 
sätze hinsichtlich der Befehlsführung in Siebenbürgen zutage treten laffen. 
Der Umstand, daß weitgehende neue deutsche Hilfe eine Lebensfrage für die 
Donaumonarchie war, aber auch die klar ausgesprochene Willensmeinung 
des Kaisers Franz Josef, der einheitliche Oberste Kriegsleitung als erwünscht 
ansah, ließen die Aussichten für eine Einigung günstig erscheinen. 
Am 2.September schrieb der Generalfeldmarschall an Generaloberst 2.s-ptemb-r. 
von Conrad, er schließe sich dem österreichisch-ungarischen Gegenvorschlage, 
soweit es ihm möglich scheine, an; Einvernehmen zwischen den Heeres- 
leitungen der verbündeten Mächte müffe selbstverständlich angestrebt werden, 
andererseits müffe im Bedarfsfall eine Entscheidung von einer Stelle aus 
getroffen werden. Diese Stelle sei nach den Abmachungen2) der Deutsche 
-) Bd.x, S. 643 ff. 
2) Gemeint waren die von der bisherigen O. H.L. gemachten Vorschläge, 
nicht Abmachungen. 
2*
        

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