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Die Ostfront. —
Verlegung des russischen Schwerpunktes.
z. August. Wider Erwarten brachte der 3. August einen neuen Angriff der
Russen gegen die Gruppe Bernhardt. Der Gegner drang auf etwa zwei
Kilometer Breite in die Stellungen des ö.-u. II. Korps südlich von Sito-
wieze ein, wurde aber bald wieder vertrieben. Im Kriegstagebuch der
Heeresgruppe steht an diesem Tage unter „Beurteilung der Lage" nur das
eine Wort „Pulverfaß!". Doch vergingen die nächsten Tage in Ruhe.
Der russische Hauptangriff war abgeschlagen, wenn auch mit seiner
Wiederholung gerechnet wurde. Die Luftstreitkräfte, vor allem das Kampf-
geschwader 2, das 42 Tonnen Bomben auf Truppenbefehlsstellen und Aus-
ladebahnhöfe abwarf, hatten zum Erfolge beigetragen.
d) Die Abwehrkämpfe der ö.-u. 2. Armee und der Heeresgruppe
Erzherzog Karl.
Skizze 32.
W. I«it bis Generaloberst von Voehm, der Oberbefehlshaber der ö.-u. 2. Armee'),
6. August. die Lage nach dem Verlust von Vrody und der Zurücknahme seines
rechten Flügels hinter den Seret als äußerst gefährdet angesehen. Cr
fürchtete, dem Drucke der russischen 11. Armee zu erliegen, und hielt Lem-
berg für ernstlich bedroht. Von dem Vorhaben, die Räumung der Stadt
vorzubereiten, wurde er nur durch das Eingreifen der österreichisch-
ungarischenHeeresleitung abgebracht. Am 4. August, dem Tage
nach dem Besuch des Generalseldmarschalls von Hindenburg in Lembergs,
ging der Feind an der Bahn Vrody—Lemberg gegen den linken Flügel der
Armee vor, dann verlegte er den Schwerpunkt seines Angriffs gegen den
rechten Flügel, wo er am 5. August bei Zalozee mit Nachdruck über den
Seret vorstieß und die Front westwärts zurückdrängte. Der Anschluß zur
Südarmee konnte aber einstweilen noch an der bisherigen Stelle gehalten
werden. Ging er verloren, so entstand auch für den Nordflügel der Heeres-
gruppe Erzherzog Karl eine ernste Gefahr. Inzwischen sorgte der Ober-
befehlshaber Ost dafür, daß Generaloberst von Voehm, der bis jetzt
über keinerlei deutsche Truppen verfügte, zur Stärkung der Widerstands-
kraft zunächst in aller Eile ein Infanterie-Regiment nebst Artillerie, dann
die 197. und ihr folgend der Anfang der 195. Infanterie-Division zugeführt
wurden^). Diese beiden Divisionen traten unter den Befehl des Komman-
dierenden Generals des I. Armeekorps*), General der Infanterie von Eben,
um nach beendetem Antransport geschlossen zur Wiedergewinnung der Seret-
Stellung eingesetzt zu werden.
i) Anschluß an S. 516. — -) S. 534. — 3) S. 536. — 4) S. 534, Anm. 2.