Großangriff gegen die Heeresgruppe Linsingen,
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Kavalleriekorps Hauer mit ö.°u. 1., 9. und bayerischer
Kavallerie-Division hinter dem Stochod.
Armee-Gruppe Gronau mit 9.Kavallerie-Division, 82. Reserve-
Division, 5. und Garde-Kavallerie-Division, 81. Reserve-Division
beiderseits des Pripjet bis Osaritschi nördlich von Pinsk.
Insgesamt zählte die Heeresgruppe 17% Infanterie-Divisionen gegen
25 fast doppelt so starke des Angreifers. Aber sie hatte 164 schwere Geschütze,
der Gegner nur etwa halb so viel. An Fliegern verfügte sie über ein
Kampfgeschwader, fünf Feld-Flieger-Abteilungen und drei österreichisch-
ungarische Flieger-Kompagnien.
Nach kurzer Artillerievorbereitung griffen am Morgen des 28. Juli
drei russische Infanterie-Divifionen und Kavallerie') die ö. - u. 4. Armee
an, warfen sie auf der ganzen Front aus ihren Stellungen und bis Szelwow,
etwa fünf Kilometer, zurück. 15 000 Mann, 45Geschütze und 90 Maschinen¬
gewehre gingen verloren. Cs hatte sich erneut gezeigt, daß „der Gefechts-
wert der Infanterie, namentlich der ruthenifchen Regimenter, sehr gering
war und der soldatische Geist der Streiter keine stärkere Belastung mehr ver-
trug"'). Fast ebenso ernst wie bei der ö.-u. 4. Armee war aber der Einbruch
des Gegners bei der G r u p p e L ü t t w i tz. Hier hatte er seine besten und
zahlreichsten Kräfte, im ganzen acht Infanterie- und drei Kavallerie-Divi-
sionen'), darunter die Garden, angesetzt. Rur die 20. Infanterie-Divifion
unter Generalleutnant von Schöler konnte alle Angriffe abschlagen. Bei der
19. Infanterie-Division des Generalleutnants von Schmettau brach das
russische II. Gardekorps in entscheidender Weise in die Stellung eines die
Mitte bildenden zugeteilten österreichisch-ungarischen Regiments ein").
1) 14.3. D., 2.und 4. Schütz. Div.; 5. Kav.-Korps mit zwei Divisionen.
2) Osterr, amtl. Werk, Band V, S. 141 f.
8) I.G.K. (1. und 2.G. I. D.). II. G.K. (G.Sch.D., Z.G.I.D.), XXXIX.K.
(102. und 125.3.®.), XXIII. K. (20. und 53.3.®.), G. K. K. in Reserve.
4) Nach dem österr. amtl. Werk wäre der erste Einbruch links vom öfter-
rcichischen Regiment bei einem deutschen Rekruten-Bataillon erfolgt. Das öfter-
rcichische Regiment, das „dem Stirnangriff standhaft getrotzt hatte", sei dann von
Norden her ausgerollt worden Das rechts (südlich) anschließende deutsche 3nf. Regt. 91
habe, um dem gleichen Schicksal zu entgehen, seine Stellung rechtzeitig geräumt und
sei hinter den Stochod zurückgegangen. Vom österreichischen Regiment „entrannen
nur kärgliche Trümmer". — Diese Darstellung entspricht einer Ausfassung, die sich
zunächst auch auf deutscher Seite gebildet hatte, aber nach genauer Prüfung doch
nicht stichhaltig erscheint. Der Haupteinbruch ist unabhängig von den Ereignissen
beim deutschen Rekruten-Bataillon auf dem rechten Flügel des österreichisch-
ungarischen Regiments erfolgt, dessen Stellung in der Mitte eine scharf vorspringende
Ecke bildete. Das deutsche Rekruten-Bataillon ist von Süden her im Rücken gefaßt
worden, bevor es in der Front nachgab.