Zweifel wegen Weiterführung des Angriffs bei Verdun.
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sehen werden. Sie erfordert um so größere Beachtung, je mehr deutsche
Kräfte im Kampfe bei Verdun verbraucht werden und je weniger der Gegner
dort trotzdem unter kräftig fühlbarem Druck gehalten werden kann. Für
eine baldige Stellungnahme zu diesen Ausführungen würde ich dank-
bar sein".
In seinem bereits am nächsten Tage erstatteten ausführlichen V e ° 31. März,
r i ch t1) ging der Oberbefehlshaber der 5. Armee KronprinzWilhelm
von der Auffassung aus, daß die französische Heeresleitung infolge des ihr
durch den deutschen Angriff bei Verdun aufgezwungenen Kräfteeinsatzes nicht
mehr imstande sei, größere Operationen an einer anderen Stelle durch-
zuführen. Er neige daher unbedingt auch weiter der Ansicht zu, daß das
Schicksal der französischen Armee sich bei Verdun entscheide. Damit liege
die Aufgabe klar, hier mit allen Mitteln die Vernichtung der kampfkräftigen
französischen Reserven sowohl durch Einsatz von Mannschaften als von
Gerät und Munition zu vollenden. Das Schreiben legte dann eingehend
die Gründe dar, aus denen sich nach den glänzenden Erfolgen der ersten
Tage der Stillstand in der Angriffsbewegung auf dem Ostufer ergeben
habe, sah indessen in dem gegenwärtigen Zustand nur eine „Übergangszeit",
die voraussichtlich auch dem Angriff auf dem Westuser nach einer Reihe
schöner Erfolge nicht erspart bleiben und dem Feinde Gelegenheit zu Gegen-
stößen geben würde. Der Oberbefehlshaber war aber fest entschlossen,
unverrückt an seiner Angriffsabsicht festzuhalten. Der Ostangriff müsse zunächst
unbedingt so weit geführt werden, daß artilleristisches Zusammenwirken mit
dem Westangriff gewährleistet sei, also bis zum Höhenrücken Zwischen-
werk Thiaumont—Fort Tavannes. Rur dadurch könne dem Aufstieg des
XV. Armeekorps aus der Wosvre-Ebene auf die Eotes der Weg gebahnt
werden. Auch bestehe durchaus die Aussicht, daß solches Vordringen mit
den jetzigen Kräften bald gelinge. Dann aber sei Zug um Zug Ersatz der
abzulösenden durch hochwertige Truppen nötig. Beim Westangriff sollte
das Ziel des Vorgehens zunächst die Linie Höhe 304—Toter Mann sein.
Dabei werde sich die feindliche Kraft durch Gegenangriffe schließlich selbst
erschöpfen. Ein Grund, in den Anstrengungen nachzulassen, liege nicht vor.
Die französische Offensivkraft werde „bei Verdun gebrochen".
General von F a l k e n h a y n ersah aus diesem Schreiben, daß das
Armee-Oberkommando 5 in seiner Beurteilung der Gesamtlage insofern von
irrigen Voraussetzungen ausging, als es die Wirkung des deutschen
Angriffs auf den Kräfteverbrauch des französischen Heeres und auf die Ent-
schlüsse seiner Führung ebensosehr überschätzte, wie es sich ein zu günstiges
i) Wortlaut S. 141 ff.