Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Das Kräfteverhältnis im Westen. 
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gehalten oder, falls verlorengegangen, wieder genommen werden müßte. In 
dieser Anschauung befand sich General von Falkenhayn in Übereinstimmung 
mit den Führern der Westarmeen. 
Noch waren bestimmte Anzeichen für Zeit und Ort einer großen Offen¬ 
sive der verbündeten Westmächte nicht erkennbar; am ehesten deutete das 
Verhalten des Gegners vor der Front der deutschen 6. Armee auf Angriffs¬ 
absichten hin. 
a) Die Kämpfe der 6. Armee vom 9. bis 14. Mai. 
Karten 1 und 3, Skizzen 3, 4, 5, 6, 7. Anlage 1. 
Die 6. Armee1) unter Generaloberst Rupprech t Kronprinz 
von Bayern hielt mit 13 Divisionen Infanterie einen Frontabschnitt 
von etwa 90 Kilometer Ausdehnung westlich der Linie Menin—Cambrai; 
dahinter standen als Reserve der Obersten Heeresleitung die 58. und 
115. Infanterie-Division. Die artilleristische Kampfkraft der 6. Armee be¬ 
trug rund 520 Feldkanonen, 140 leichte Feldhaubitzen und 150 schwere Ge¬ 
schütze, außerdem bei der 58. und 115. Infanterie-Division noch 60 Feld¬ 
kanonen, 12 leichte und 12 schwere Feldhaubihen. Die deutschen Kampf¬ 
gräben im Artois lagen im allgemeinen da, wo im Herbst 1914 die Angriffs¬ 
kraft der 6. Armee erlahmt war. Sie entsprachen daher großenteils nicht den 
an eine günstige Verteidigungslinie zu stellenden Anforderungen. Westlich 
von Lille verlief die deutsche Front bis zum Kanal von La Vaffse zunächst 
in dem sehr unübersichtlichen Flandrischen Tieflande. Der Grundwafferstand 
reichte dort bis dicht unter die Erdoberfläche. Auch noch südlich von La VassLe 
bereitete der vielfach von Wasseradern durchzogene Boden dem Ausbau und 
Ausharren in den Stellungen die größten Schwierigkeiten. Südwärts schloß 
sich flaches Hügelland an, das besonders im Kohlengebiete von Lens dicht be¬ 
siedelt war. In dem weithin offenen Lande südlich von Lens sprang die 
deutsche Stellung bogenartig westwärts vor und deckte dadurch den Höhen¬ 
zug von Vimy. Dieser Rücken beherrschte die Ebene von Douai und 
besaß daher außerordentliche Bedeutung. Bei dem tiefgelegenen Dorfe 
Souchez stieß von Westen her die überragende Loretto-Höhe keilartig in 
die Front der 6. Armee. Weiter südwärts umzogen die deutschen Linien 
beiderseits der Scarpe im Halbkreise die Vororte der Stadt Arras, um 
dann von Tilloy ab auf einem flachen Höhenzuge zu verlaufen. In der süd¬ 
lichen Hälfte des Frontabschnittes der 6. Armee überlagerte eine Lehm¬ 
schicht wechselnder Stärke Kalk- und Kreideboden. Der Lehm erschwerte 
bei nasiem Wetter jede Bewegung, die ausgehobene weiße Kreide leuchtete 
0 Zusammensetzung der Armee siehe Karte 1.
	        

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