Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

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Die Westfront von Mitte April bis Anfang August 1915. 
wenn er aus einer auf breitester Grundlage angelegten action generale 
und einer an taktisch günstiger Stelle auszuführenden action decisive 
bestehe. Im Rahmen der ersteren mühten sämtliche zwischen dem Meere 
und Verdun stehenden Armeen Angriffe mit begrenzten Zielen unternehmen 
oder den Gegner wenigstens unter Androhung einer Offensive fesseln. Den 
Hauptstoß als action decisive sollte die französische 10. Armee 
in der Gegend nördlich von Arras führen. Eine wirkungsvolle Unterstützung 
werde die Angriffsoperation finden, wenn die britischen Truppen unter Durch¬ 
führung eines Ablenkungsvorstoßes südlich von Armentieres in der Richtung 
auf Warneton—Messines') und gleichzeitig bei La Vassee angreifen würden. 
Erwünscht sei ferner, daß die Belgier beiderseits von Dixmude vorstießen. 
General Ioffre hatte diesen Vorschlägen seine Zustimmung erteilt und am 
24. März die Beteiligung der Engländer erbeten. Er betonte dem eng¬ 
lischen Oberbefehlshaber gegenüber, daß die vorherige Ablösung des frän¬ 
kischen IX. und XX. Korps, deren Einsatz bei dem Angriff der 10. Armee 
erforderlich sei, durch britische Truppen nunmehr unbedingt erfolgen 
müsse. 
Am 29. März fand im französischen Großen Hauptquartier zu Chan- 
tilly eine Zusammenkunft zwischen dem französischen Kriegsminister Mille- 
rand und General Ioffre sowie dem englischen Staatssekretär des Krieges, 
Lord Kitchener, und Feldmarschall French statt, bei der der Beginn des 
gemeinsamen Angriffs auf den 1. Mai angesetzt wurde. Lord Kitchener 
versprach, dem britischen Oberbefehlshaber rechtzeitig zwei neue Divisionen 
zu senden, mit deren Hilfe die Ablösung der beiden französischen Korps bis 
zum 20. April erfolgen könne. 
Bereits am 24. März hatte General Foch dem Höchstkomman- 
dierenden den Angriffsplan für die französische 10. Armee vor- 
gelegt. Der Hauptstoß sollte aus der Gegend Carency—Roclincourt in 
der Richtung auf die Höhen südwestlich von Vimy geführt werden; Neben¬ 
angriffe würden aus dem Hange der Loretto-Höhe und in der Richtung aus 
die Höhe westlich von Vailleul erfolgen. Vor dem Sturm sollte eine mehrere 
Tage andauernde artilleristische Vorbereitung unter besonderer Mitwirkung 
der schweren Artillerie stattfinden. Erforderlich sei eine Verstärkung der 
10. Armee um drei frische Korps und etwa 72 schwere Geschütze. An 
Munition müßten etwa 91000 Schuß für die schwere und 600 000 Schuß 
für die Feldartillerie vorhanden sein. Für den Haupt- und südlichen Seiten- 
angriff könne mit einer Dauer von zehn, für den Vorstoß auf der Loretto- 
Höhe von sechs Tagen gerechnet werden. Der Höchstkommandierende hatte 
i) Messines 3-/r km nordwestlich von Warneton.
	        

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