Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

558 Die Verfolgung der Heeresgruppen Mackensen und Prinz Leopold. 
und den Futtermangel unterwegs in seiner Leistungsfähigkeit beein¬ 
trächtigt. 
Mit dem geradezu erbärmlichen Zustand der Pferde, die bei den 
schlechten Wegen doch das einzige, zuverlässige Transportmittel sind, er¬ 
klären sich weitere Mißstände, die dringend der Abhilfe bedürfen. Die 
Artillerie braucht notwendig Material zur Ausbesserung und Instand¬ 
haltung der Geschütze. Die schwere Batterie 119 schießt seit längerer Zeit 
nur noch mit zwei Geschützen, weil das längst beantragte Crsatzmaterial nicht 
herankommt. Ebenso verhält es sich mit dem Hufbeschlagsmaterial. Es 
ist schon jetzt zu befürchten, daß die Division bei eintretendem Frost nicht 
mit Stollen versorgt sein wird, weil die Möglichkeit, das Material vor¬ 
zuschaffen, fehlt. 
Besonders ungünstig steht die Division augenblicklich mit Artillerie- 
Munition da. Vor dem 24. September ist die Munitionskolonnen-Abtei- 
lung außerstande, Munition an die leichten Kolonnen auszugeben. Mar¬ 
schiert die Division weiter, so erhöht sich die von den leichten Kolonnen 
zurückzulegende Strecke und damit die Schwierigkeit rechtzeitiger Ver¬ 
sorgung der Artillerie mit Munition. Sieht man von den Anforderungen, 
die bei dauernden Gefechten an die Nervenkraft der fechtenden Truppe 
gestellt werden, ab und faßt nur einmal die Versorgung Erkrank¬ 
ter und Verwundeter ins Auge, so tritt zutage, daß der Zeit¬ 
punkt, in dem die Division auch hier am Ende ihrer Leistungsfähigkeit ist, 
nicht mehr fern liegt. Der Abtransport Verwundeter aus den Feld¬ 
lazaretten zur Etappe wird immer schwieriger, weil die Etappe nicht in dem 
Tempo der vorderen Truppen vorrücken kann. Deshalb ist die Division 
genötigt, die Feldlazarette lange liegen zu lassen, und kommt andererseits 
hinsichtlich ihres Nachziehens und ihrer Verwendungsfähigkeit bei Eintritt 
größerer Verluste in steigende Verlegenheit. — Daß die Verbindung mit 
der Heimat durch die Feldpost fast ganz aufgehört hat, sei nur nebenher 
erwähnt. 
Aus dem Vorstehenden ergibt sich für die Division das dringende 
Bedürfnis, einige Zeit in Ruhe zu kommen, andernfalls kann der Tag schon 
vorausbestimmt werden, an dem die Division nur noch aus Stäben, Regi¬ 
mentern zu 600 Mann und Geschützen ohne Bespannung und Munition 
besteht." 
Bei der Weitergabe dieses Berichtes an die Oberste Heeresleitung 
bemerkte Generaloberst von W o y r s ch am 23. September: „Bei der über¬ 
ragenden Wichtigkeit des raschen Vordringens in der jetzigen Verfolgung 
habe ich bisher solchen und ähnlichen Bedenken, wie sie in dem Berichte 
zum Ausdruck kommen, kein Gehör geschenkt, um so mehr, als der Geist
	        
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