Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Crsenbahnlage und Dauerstellung. 
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den, von da zum Oberkommando 8 in Poniewiez (80 Kilometer) abermals 
24 Stunden. 
Die Tätigkeit des Oberbefehlshabers Ost, der sein Hauptquartier seit 
dem 21. Oktober von Lötzen nach Kotono verlegt hatte, toar neben den rein 
militärischen Aufgaben der Verwaltung des besetzten russischen Gebietes 
gewidmet, das auch den Raum hinter der Heeresgruppe Prinz Leopold und 
damit trotz Abtrennung des Generalgouvernements Warschaus immer noch 
rund 220 000 Quadratkilometer umfaßte. Aus diesem Gebiete, das der 
Größe nach etwa zwei Fünfteln des damaligen Deutschen Reiches ent¬ 
sprach, galt es nicht nur die eigene Truppe mit Verpflegung und Pferden 
zu versorgen, sondern davon nach Möglichkeit auch an Heimat und West¬ 
heer abzugeben. 
Als der Kaiser mit General von Falkenhayn gegen Jahres¬ 
schluß das Gebiet des Oberbefehlshabers Ost besuchte, trug ihm General¬ 
feldmarschall von Hindenburg am 12. Dezember in Wilna über 
die Lage vor. Er hielt den rechten Flügel und die Mitte seiner Front 
für gesichert; der Stellungsbau hatte hier bereits gute Fortschritte gemacht. 
An Reserven hatten die 12. und 10. Armee und die Armee-Abteilung 
Scholtz freilich nur je eine gemischte Brigade herausziehen können. Ge¬ 
fährdeter erschien die Lage bei der neuen 8. Armee. Hier mußte man auf 
russische Angriffe gefaßt sein, besonders sobald nach Eintritt von Frost 
die Düna, die Seen und Sumpfniederungen kein Hindernis mehr bilden 
würden. Als Reserve standen hinter dieser Front aber nur zwei Infanterie- 
Divisionen; Verstärkung war hier erwünscht. Mit größeren Landungen 
an der Küste rechnete der Oberbefehlshaber Ost nicht, wohl aber mit 
lästigen Beschießungen von See her und mit der Bedrohung durch Agenten 
und Spione, die im Rücken der eigenen Linie abgesetzt wurden. Bisher 
war es ihm, wie er weiter ausführte, möglich gewesen, den Mangel an 
Zahl der Truppen durch Beweglichkeit auszugleichen; im Inneren Ru߬ 
lands versage diese Aushilfe aber. Die Eisenbahnverhältnisse erlaubten 
keine schnellen Verschiebungen; wo eine Truppe stand, mußte sie im 
allgemeinen auch gebraucht werden. 
0 S. 351.
	        

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