Volltext: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Schlacht bei Wilna. Betrachtungen. 
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ähnlichen Umfang annahmen wie bei der 8. und 12.Armee. Die Eisen¬ 
bahnen endeten einstweilen rund 150 Kilometer hinter der Front an den 
zerstörten Njemen-Vrücken von Olita und ©tobno1). Zudem hatte das 
dauernde Linksschieben dazu genötigt, gefüllte Kolonnen der ursprünglichen 
Flügeldivisionen den weiter verlängernden zuzuteilen, so daß zu der Weite 
des Weges sich noch sonstige Reibungen gesellten, die um so größer wurden, 
je mehr Divisionen hinter der ganzen Front entlang auf ein und demselben 
Anmarschwege zu versorgen waren. So konnte es schließlich kommen, daß 
beispielsweise ein Regiment der Armeemitte meldete, es sei wegen gänz¬ 
lichen Mangels an Verpflegung gefechtsunsähig. Ein Zugzusammenstoß 
verschärfte die Schwierigkeiten noch, indem er den Verkehr nach Wilna für 
einen Tag unterbrach. 
Bei Fortgang der Kämpfe in demselben Raume mußten die Verhält¬ 
niße in zunehmendem Maße schwieriger werden. Auf dem rechten Flügel 
der 10. sowie bei der 8. und 12. Armee, wo der Gegner beim Rückzüge vor 
allem auch die zahlreichen Brücken planmäßig zerstört hatte, zeigten sich 
die Schwierigkeiten der Kriegführung weitab von den Cisenbahnend- 
punkten trotz nur noch geringer Zahl der eingesetzten Divisionen allzu deut¬ 
lich. Cs wiederholten sich ähnliche Klagen wie bei der Armee Gallwitz 
schon im August. Ein Bild der Zustände gibt eine Auszeichnung 
im Kriegstagebuche des Korps Plüskow (Generalkommando des 
XI. Armeekorps), in dem es am 5. September heißt: „Die 54. Infanterie- 
Division legte einen Bericht vor über den schlechten Zustand der 
Truppen infolge der übergroßen Anstrengungen und den in keiner 
Weise ausreichenden Nachschub. Die Post, Ersatz an Bekleidungsstücken 
bleiben aus. Die nasse- Witterung macht sich bei dem Fehlen jeglicher 
Unterkunft, da alle Ortschaften verbrannt sind, ganz besonders bemerk¬ 
bar. Dem Generalkommando sind diese durchaus berechtigten Vorstellungen 
bekannt, und das Generalkommando hat bereits mehrfach die Armee auf¬ 
merksam gemacht, daß die Truppe nach dem Gesechtswert sehr unter dem 
Versagen des Nachschubs leidet; die Unterernährung der Pferde erscheint 
durchaus bedenklich. Cs tritt hinzu, daß außer Vieh und Kartoffeln aus 
dem Lande, das planmäßig verwüstet ist, nichts genommen werden kann. 
Die Anforderungen an die Korpskolonnen sind kaum noch zu leisten, und 
doch wird dem dringenden Bedürfnis der Truppe nicht voll genügt. Vei 
der Armee wurde nochmals auf diese Schwierigkeiten und den unheilvollen 
Einfluß, den sie auf den Gefechtswert der Truppen ausüben, nachdrücklichst 
hingewiesen." Die Berechtigung solcher Klagen wurde vom Armee-Ober- 
x) S. 548. 
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