Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Auseinandersetzungen mit der Obersten Heeresleitung. 
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schwere Artillerie, die in Augustow eintrifft, wird ihr unterstellt. Anschluß 
nach rechts an 12. Armee; nach links dehnt sie sich bis an den, Augustow- 
Kanal nördlich Sopockinie aus. — 10. Armee greift weiter Richtung 
Orany—Wilna an, Schwerpunkt möglichst auf und nördlich Wilna. — 
Rjemen-Armee greift vor Friedrichstadt an und deckt weiterhin gegen 
die obere Düna." Damit war der 10. Armee der Angriff auf Grodno ab¬ 
genommen, so daß sie ihre ganze Kraft gegen Wilna einsetzen konnte. Der 
Befehl wurde am 30. August dahin ergänzt, daß die 12. und 8. Armee das 
Generalkommando des I. Armeekorps nebst 2., 58., 88. Infanterie-, 
10. Landwehr- und 9. Kavallerie-Division an die 10. Armee abzugeben 
hatten, also noch etwas mehr als am 26. August beabsichtigt war1), „und 
zwar zu einem möglichst einheitlichen Vorgehen südlich der Zessarka (bei 
Wilkomierz). Umfassung des feindlichen Flügels nördlich Wilna ist von 
höchster Bedeutung. Im übrigen bleibt 10. Armee im Angriff, wie unter 
dem 29. August befohlen, unter Sicherung Rjemen-aufwärts bis Druskieniki 
einschließlich". Die 16. Landwehr-Division, bisher rechter Flügel der 
10. Armee, wurde vorläufig der 8. Armee unterstellt, die Vorbereitungen 
zu treffen hatte, um demnächst beiderseits von Grodno Brücken über den 
Rjemen zu schlagen. 
Inzwischen war die Oberste Heeresleitung durch die Ab¬ 
sichten der Heeresgruppe Prinz Leopold auf die verschiedene Auffassung 
über die Dauer st ellung aufmerksam geworden und fragte beim Ober¬ 
befehlshaber O st an, wie der Lauf der Dauerstellung im allgemeinen 
beabsichtigt sei. Dieser antwortete: „Falls Oberste Heeresleitung Fest¬ 
halten an Rarewka-Mündung befiehlt, habe ich keine Wahl. Als Stellung 
kommt nach dem Fall von Grodno und Wilna allein die Linie Rarewkä- 
Mündung—Wilna—Riemenek—Mitau in Betracht. Ich kann aber diese 
Stellung nicht empfehlen, da sie an einzelnen Stellen mit einem dauernden 
Zurückführen der Armee verbunden sein würde, falls die Operation, wie 
von der Obersten Heeresleitung in Aussicht genommen und wie es dringend 
erforderlich ist, fortgesetzt wird, um den Russen endgültig zu schlagen." 
Welche Linie dann in Frage käme, könne noch nicht übersehen werden. Für 
den rechten Flügel werde etwa der Zelwianka- oder Szczara-Abschnitt nicht 
mehr Truppen erfordern als die bisher vorgesehene Stellung. 
„Den Russen endgültig zu schlagen", hatte General von Falken¬ 
hayn allerdings nicht in Aussicht genommen. Im übrigen hielt er an der 
einmal getroffenen Entscheidung fest, wollte aber auch den Oberbefehlshaber 
i) 0. 367 f.
	        

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