Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Vormarsch der 10. Armee auf Wilna. 
485 
Als bann am 18. August Kowno genommen war und Nowogeorgiewsk n. August, 
unmittelbar vor dem Fall staub1), wurde die Frage des weiteren 
Angriffs der 10.Armee brennend. Der Oberbefehlshaber Ost 
meldete an diesem Tage an die Oberste Heeresleitung, er beabsichtige, ihr 
Einverständnis vorausgesetzt, die Einschließungstruppen von Nowo¬ 
georgiewsk der 10. Armee zuzuführen, „um ihr die Offensive über den 
Njemen abwärts von Grodno zu ermöglichen". Die halbe 85. Landwehr- 
Division würde der 12. Armee zugeführt werden2). Sollte die Oberste 
Heeresleitung in der Lage sein, außerdem noch weitere Kräfte zu einer 
Offensive von Kowno in Richtung auf Wilna zu überweisen, so würde 
er sich „davon einen weitgehenden Erfolg versprechen". Die noch am 
gleichen Tage eingehende Antwort des Generals von Falkenhayn 
lautete: „Gegen Heranziehung der Einschließungstruppen von Nowo¬ 
georgiewsk nach Fall der Festung zur 10. Armee bestehen keinerlei 
Bedenken. Ebenso entspricht geplante Offensive über Njemen unterhalb 
Grodno und von Kowno auf Wilna durchaus den Absichten der Obersten 
Heeresleitung. Ob eine Verstärkung der Kowno-Gruppe aus meinen Mit¬ 
teln möglich ist, kann erst in den nächsten Tagen entschieden werden. Fm 
übrigen wird daran festzuhalten sein, daß eine Fortführung des Ost¬ 
feldzuges in den Winter und in das Innere Rußlands für uns leider nicht 
in Frage kommen kann. Die Operationen der Stoßgruppen in Polen 
werden nicht wesentlich über die allgemeine Linie Brest Litowsk—Grodno 
vorgetragen werden können. Diese Gruppen müssen voraussichtlich sehr 
bald erhebliche Kräfte für andere Kriegsschauplätze abgeben." Obschon hier¬ 
nach der von der Obersten Heeresleitung in Aussicht gestellte Krastzuschuß 
nur gering war, und es auch fraglich erscheinen mußte, ob für später auf 
Verstärkungen in irgendwie größerem Umfang zu rechnen sei, bedeutete 
es doch für den Oberbefehlshaber Ost nach dem vorangegangenen Mei¬ 
nungsstreit eine, wenn auch späte Genugtuung, daß sich der Chef des 
Generalstabes des Feldheeres jetzt endlich mit der Durchführung der lange 
geplanten und in der Zwischenzeit so gut wie möglich vorbereiteten Angriffs¬ 
operation des linken Heeresflügels einverstanden erklärt hatte. 
Am 19. August gab der Oberbefehlshaber Ost folgenden is.August. 
Angriffsbefehl: „12. und 8. Armee sehen Angriff fort8) ... 
10. Armee greift mit linkem Flügel Richtung Wilna umfassend an und 
wirft den Russen über den Njemen Druskieniki-abwärts zurück. Rechter 
Flügel hält vorläufig Augustow fest und drückt später längs der Chaussee 
0 S. 378 f. und 480. 
2) Die andere Hälfte der Division befand sich bereits dort. 
3) Folgen Vormarschrichtungen (S. 363). 
31*
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.