Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Der operative Erfolg bleibt versagt. 
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Der 26. August hatte somit der Heeresgruppe Mackensen äußerlich 
einen großen Erfolg gebracht, die Einnahme von Brest L i t o w s k, 
einer der am stärksten ausgebauten russischen Festungen! Gleichzeitig hatte 
sich aber gezeigt, daß die von General von Falkenhayn bis zuletzt gehegte 
Hoffnung, noch beträchtliche Teile des Feindes abzufangen, zunichte ge¬ 
worden war. Der Rückzug der Russen hatte sich unter geschickt geführten 
Nachhutkämpfen durchaus planmäßig vollzogen. Die Aufgabe von Brest 
Litowst war eingehend vorbereitet gewesen. Die Forts waren gesprengt, 
die Magazine und die von der Bevölkerung verlassene Stadt größtenteils 
in Brand gesteckt worden. Beträchtliche Verpflegungsvorräte konnten aller¬ 
dings noch der Vernichtung entzogen werden. Indessen nur geringe Muni» 
tionsbestände fielen dem Angreifer in die Hände. Auch das gesamte moderne 
GeschüHmaterial war abtransportiert, nur wenige alte Geschütze bilde¬ 
ten die Beute. Trotz des Zusammendrängens starker Truppenmassen im 
Festungsbereich war auch die Zahl der Gefangenen nur gering. Die Luft¬ 
erkundung ergab, daß der Abzug der feindlichen Marschkolonnen auf den 
Straßen über Kobryn und Pruzana nach Osten und Nordosten in 
dauerndem Fluß blieb. Die Hauptmasse des südlichen Flügels der russischen 
Nordwestftont befand sich also nördlich des Rokitno-Sumpfgeländes 
in der Rückwärtsbewegung. Die Verbindung zur russischen Südwestfront 
war somit endgültig durchschnitten. Rur das russische 4. Kavalleriekorps 
hielt sich noch südlich des Sumpfgebietes in der Gegend von Kamien 
Koszyrski. Cs hatte, wie durch Mithören von Funksprüchen festgestellt 
wurde, den Auftrag, die von dort nach Norden durch die Rokitno-Sümpfe 
führenden Straßen zu sperren. Kennzeichnend für die zuversichtliche 
Stimmung, mit der die höhere russische Führung trotz aller taktischen Mi߬ 
erfolge dem Ausgange ihrer strategischen Rückwärtsbewegung entgegensah, 
war ein mitgehörter funkentelegraphischer Ausruf des Generals Cwert, des 
Führers der 4. Armee. In ihm war der Erwartung Ausdruck gegeben, „daß 
sich die Truppen aus der engen Fühlung mit dem Feinde in Ehren los¬ 
lösen würden". Hinzugefügt war: „Mögen sie sich an den großen Krieg 
des Jahres 1812 erinnern und aus ihm Belehrung und den tiefen Glauben 
an unseren endlichen Sieg schöpfen." In der Tat hatte sich die traditionelle 
Geschicklichkeit der Russen in der Durchführung des Rückzuges, unterstützt 
durch das abschnittsreiche Gelände, auch diesmal bewährt. 
Obwohl somit den Operationen der Heeresgruppe Mackensen, die 
allein der Bug-Armee etwa 33 000 Mann und der 11. Armee über 
50 000 Mann an Verlusten gekostet hatten, der erstrebte operative Erfolg 
versagt geblieben war, so hatten sie doch den Feind, abgesehen von seinen
	        

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