Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Der Angriff aus Nowogeorgiewsk. 
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Für den Angriffs) kam in erster Linie die Nordostfront der Festung 
zwischen Wkra und Narew in Frage, gegen die von Mlawa her die ein¬ 
zige Bahn heranführte. Hier wollte General von Veseler seine Haupt- 
kräfte ansehen und im übrigen ähnlich verfahren wie im Herbst 1914 
gegen Antwerpen. Unter Verzicht auf förmliche Belagerung sollte unter 
schärfster Zusammenfassung der Artilleriewirkung nur in einem schmalen 
Streifen des Angriffsabschnitts Bresche in die einzelnen Widerstands¬ 
linien geschossen werden, durch die dann dichtauf folgende Infanterie in 
raschem Stoß einzudringen hatte. Unternehmungen gegen die übrigen 
Fronten sollten dem Gegner das Verschieben von Kräften innerhalb des 
Festungsraumes erschweren. 
Die schwerste und schwere Artillerie zählte an der Angriffsfront allein 
26 Batterien mit 113 Geschützen3). Davon war aber, vor allem unter den 
an sich wenig zahlreichen Flachbahngeschühen, ein großer Teil älterer Art 
mit nur beschränkter Feuergeschwindigkeit und Schußweite. Cs kam hinzu, 
daß die Munitionslage Beschränkungen auferlegte, da gleichzeitig auch die 
große Festung Kowno angegriffen wurde3), und auch Mangel an Kolonnen 
die Heranschaffung der Munition außerordentlich erschwerte. So verfügte 
das Hauptgeschütz, die schwere Feldhaubitze, zunächst nur über je 200 bis 
300 Schuß'). 
Am 11. August wies der Oberbefehlshaber O st darauf hin, 
daß er „auf schnelle Durchführung des Angriffs gegen die Festung großen 
Wert" legen müsse, um die eingesetzten Kräfte für weitere Aufgaben bald 
wieder frei zu bekommen. Dem war General von Beseler ohnehin schon 
gewillt zu entsprechen. 
Nach dreistündiger Artilleriewirkung durchbrachen am 13. August die 
14. Landwehr-Division unter Generalleutnant Schalscha von Chrenfeld 
und die Brigade Pfeil aus schmaler Front die vorderen feindlichen Ver¬ 
teidigungslinien zwischen Wkra und Narew und drangen bis nahe an die 
ständigen Panzergruppen XIV, XV und XVI vor; gegen 2000 Gefan¬ 
gene waren die Beute. Gleichzeitig hatten auch Unternehmungen gegen 
9 Der im Frieden vom Großen Generalstab verfaßte Angriffsentwurf gegen 
die Festung ist nicht mehr aufzufinden, so daß nicht festgestellt werden konnte, wie 
damals die Stärke der Festung beurteilt und welche Angriffsmittel gegen sie für nötig 
gehalten wurden. 
2) Steilfeuer: 3 Vttrn. 42 cm, 5 Vttrn. 30,5 cm, 2 Vttrn. Mrs. (21 cm), 
11 Vttrn. schwere Feldh. (15 cm); zusammen 21 Vttrn. Flachfeuer: 2 Vttrn. 
15 om-Kan., 1 Vttr. 12 arn-Kan., 2 Vttrn. 10oin-Kan.; zusammen 5 Vttrn. 
3) S. 347 und 472 ff. 
4) Bei Gorlice je 600, bei Przasnysz je 1000 Schuß. 
7. bis 
10. August. 
11. bis 
14. August.
	        

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