Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

366 Der Angriff des Oberbefehlshabers Ost gegen die russische Narew-Front. 
20. bis 
24. August. 
Kämpfen und hatten seitdem 1400 Offiziere und 60 000 Mann*) hergegeben. 
Ein Stopp in dem unausgesetzten Drängen erschien bald unvermeidlich." 
Auch im Kriegstagebuch des Oberkommandos wurde auf die geringen Ge¬ 
fechtsstärken der Infanterie hingewiesen, die wie stets die Hauptlast der 
blutigen Verluste wie der seelischen und körperlichen Anspannung zu tragen 
hatte. So hatten die Bataillone der 38. und 54. Infanterie-Division nur 
noch 400 Mann Gefechtsstärke, auch die 4. Garde-Infanterie-Division zählte 
im ganzen nur 4000 Gewehre. Am 21. August konnte General von Gall- 
witz „an der Ermattung der Truppe nicht mehr vorbeisehen". Die am 
folgenden Tage vorübergehend gehegte Hoffnung, den Feind doch nochmals 
zu werfen, zerrann rasch angesichts der sich mehrenden Schwierigkeiten. „Es 
wäre jammerschade", schrieb er in sein Tagebuch, „wenn wir jetzt 
erlahmten, denn bei den Russen sieht es nach Gefangenenaussagen, Briefen 
und nach ihren enormen Verlusten noch viel trüber aus. Sie sind zum 
ümrennen reif, wenn wir nur die nötige Kraft ansetzen können. Überall 
zeigt sich bei ihnen Hoffnungslosigkeit, hauptsächlich wegen unserer Artil¬ 
lerie ... Ich wollte schon gestern warten, um Ersatz an Artilleriemunition 
heranzubringen. Aber die Truppe, die besten Willens ist, bandelt immer 
wieder an und erweckt so bei der oberen Führung den Glauben, es würde 
schon noch gehen. Mit Bataillonen von 325 Mann ist nicht viel anzu¬ 
fangen. Run, ihre Pflicht hat die Armee erfüllt." Russische Gegenstöße, 
die auch an diesem Tage gemeldet wurden, hielt der General „für 
ä outrance von oben befohlen, für letzte Versuche, das Blatt zu wenden 
oder wenigstens sich Bewegungsfreiheit zu verschaffen". 
Günstiger als bei der 12. Armee lagen die Verhältniße bei der 
8. Armee, die noch nicht so lange und auch nicht so schwer zu kämpfen 
gehabt und dabei bessere Nachschubbedingungen hatte. 
Bet so entschiedener Minderung der Angriffskraft der Hauptarmee war 
es schließlich von geringerer Bedeutung, welche Richtung dem rechten 
Flügel des Oberbefehlshabers Ost für das weitere Vordringen 
gegeben wurde. Noch wünschte die Oberste Heeresleitung, die 
Hauptkraft in rein östlicher Richtung wirken zu taffen, während der Ober¬ 
befehlshaber Ost seit der Einnahme von Osowiec erst recht eine n o r d östliche 
Richtung für notwendig hielt, um das Vorgehen der 10. Armee gegen 
Wtlnct2) wenigstens mittelbar zu fördern. Cr befahl daher am 24. August 
in Fortsetzung der am 19. August — wie er glauben mußte — in Überein¬ 
stimmung mit der Obersten Heeresleitung2) gegebenen Weisung, daß „nach 
Cinahme von Bialystok" die Bahn von da über Sokolka nach Grodno die 
*) Vgl. S. 360. — 2) S. 483 f. — --) S. 363.
	        

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