Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Nachschubschwierigkeiten und verminderte Angriffskraft. 
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Im Kriegstagebuch des Korps Matter hatte man schon am 
20. August geschrieben: „37 Tage ununterbrochen im Gefecht, die Infanterie 
hatte nur noch die halbe Stärke, das Feldartilleriematerial war in bedenk¬ 
lichem Umfange unbrauchbar." Dies sowie die Länge der rückwärtigen 
Verbindungen, die bis Ostrow 100 Kilometer, von da zum Feldbahn¬ 
endpunkte Rozan weitere 35 Kilometer maßen, und der wegen Hafermangels 
schlechte Futterzustand der Pferde machten eine Pause dringend erwünscht. 
Am 22. August wurde „mit Rücksicht auf die dringend notwendige Muni¬ 
tionsersparnis nur noch ein ganz ruhiges Artilleriefeuer unterhalten". Am 
folgenden Tage gewann der Armeeführer bei einem Gespräch mit dem Kom¬ 
mandierenden Genera?) den Eindruck, daß infolge der Überanstrengungen 
die Angriffsfreudigkeit der Trupp e erheblich nach gelassen habe. Man er¬ 
warte von der Artillerie, daß „sie alles machen solle". 
Beim Korps Suren wurde nach dessen Kriegstagebuch am 20. August 
die letzte Munitionskolonne entleert, die nächste gefüllte konnte erst am 23. 
eintreffen. Die großen Verluste, hieß es, besonders der 86. Infanterie- 
Division^) seien auf die wegen Munitionsmangels ungenügende Artillerie¬ 
vorbereitung zurückzuführen. Ein Regiment der 50. Reserve-Division 
mußte aus der Front gezogen werden, nachdem es von 57 Offizieren auf 6, 
von 3700 Mann auf 600 zusammengeschmolzen war. Die übriggebliebenen 
Mannschaften, so hieß es in dem Berichte, entstammten größtenteils dem 
„letzten Ersatz, der erst während der Operation eintraf, schon als minder¬ 
wertig überwiesen wurde und sich auch als minderwertig" gezeigt habe. 
Neuer Ersatz, der beantragt sei, werde im Regiment keinen alten Stamm 
mehr vorfinden, der ihm Halt gäbe. Das Regiment brauche 14 Tage Zeit, 
um sich neu zu formieren und wieder innere Festigkeit zu gewinnen. 
Ant 22. August traf der Stabschef des Korps Plüskow, Oberst 
Baerecke, persönlich im Armee-Hauptquartier ein, um den „Mangel an 
Stoßkraft infolge der geringen Stärken und des Offiziermangels" zu 
schildert?). 
Am 24. August meldete auch das Korps P a n n e w i tz : Da Munition 
und Verpflegung nicht dem Verbrauch entsprechend vorgebracht werden 
könne, sei eine dreitägige Pause im Angriff nötig. 
General von Gallwitz selbst urteilte in seinen Tagebuchaufzeich¬ 
nungen am 20. August4): „Der russische Heeresbericht betonte die Hart¬ 
näckigkeit unserer Angriffe. Aber ich konnte mich dem nicht verschließen, 
daß unsere Kraft nicht mehr die alte war. Seit 39 Tagen waren wir in 
9 von Gallwitz, S. 344. — 2) S. 363. — 3) von Gallwitz, S. 342 f. — 
*) Ebenda. S. 341.
	        
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