Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

358 Der Angriff des Oberbefehlshabers Ost gegen die russische Narew-Front. 
n.A«g«st. das Korps Matter in Verfolgungskämpfen mit dem linken Flügel nur bis 
dicht vor Czyzew. „Die Fortschritte sind recht zeitraubend", heißt es im 
Kriegstagebuch des Generalkommandos, „und gehen langsam vor sich. 
Daran war weniger die Stärke des Feindes als die Müdigkeit der Truppe 
und die fast gänzliche Unübersichtlichkeit des Geländes schuld. Cs wmde 
dem Armee-Oberkommando mehrfach zum Ausdruck gebracht, daß der An¬ 
griff wohl langsam weitergehe, daß die Verstärkung der Linien durch 
neue Massen nichts Nennenswertes ändere, daß aber mit etwas Ruhe für 
die Truppe, die vier Wochen ununterbrochen im Gefecht war, viel erreicht 
sei." Bei den nördlich anschließenden Korps Plüskow und Eben leistete 
der Gegner noch erheblich mehr Widerstand. Es schien sich nicht wie tags 
zuvor um schwache Nachhuten, sondern um stärkere Kräfte mit viel Artillerie 
zu handeln; den ganzen Tag über wurde gerungen, um nur einige Kilometer 
vorwärts zu kommen. Abends hatte das Korps Eben Zambrowo ge¬ 
nommen. Die 8. Armee hatte auf dem Ostufer des Gac-Abschnittes Fuß 
gefaßt. 
Damit war zwischen Bug und Narew die sch mal sie 
Stelle erreicht; auf 45 Kilometer Front standen rund 18 deutsche 
Divisionen so eng, daß es bereits nötig geworden war, fünf von ihnen ins 
zweite Treffen zu nehmen. Die Narew-Operation hatte tak¬ 
tisch ihren Höhepunkt läng st überschritten und drohte 
operativ in frontales Nachdrängen auszulaufen. 
Die vor den Heeresgruppen Mackensen und Prinz Leopold weichenden 
russischen Massen östlich des Bug zu fassen, konnte nur noch gelingen, 
wenn die 12. Armee rasch vorwärtskam, rascher als der Feind zurück¬ 
zumarschieren vermochte. Bisher war dies nicht der Fall gewesen. In den 
30 Tagen seit dem 13. Juli hatte sie im ganzen etwa 120 Kilometer Raum 
gewonnen, das machte nur vier Kilometer für den Tag; daß sie künftig 
wesentlich schneller vorwärtskommen werde, war kaum anzunehmen. Gerade 
der 11. August hatte wieder gezeigt, was es bedeutete, wenn der Gegner 
gewillt war. Widerstand zu leisten. Bei einem Feinde, der seine Nückzugs- 
operation bis dahin mit Geschick geführt hatte, mußte aber auch weiterhin 
mit solchem Willen gerechnet werden, sobald es seine Lage erforderte. 
Die bisherigen Kämpfe hatten die Schwierigkeiten frontalen Nach¬ 
drängens klar gezeigt. Zu eigentlicher Verfolgung war es kaum je ge¬ 
kommen: Fast überall und jedesmal hatte der Gegner nach zähem Wider¬ 
stände unter dem Schutze der Dunkelheit zunächst unbemerkt ausweichen 
können, um sich weiter rückwärts in neuer, oft schon vorbereiteter Stellung 
wieder zu setzen. Jedesmal mußten dann erst schwache Punkte der neuen
	        

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