Volltext: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Auseinandersetzung mit der Obersten Heeresleitung. 
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Gange befindlichen Operationen anzustreben*). Seine Majestät hofft, daß 
Euere Exzellenz durch möglichst schnelles Vortreiben von starken Teilen der 
Narew-Stoßtruppe auf dem rechten Vug-Afer und ebensolches Vorschieben 
von Teilen der Njemen-Armee im Raum östlich des Rjemen wesentlich 
zum Gelingen werden beitragen können." 
Entscheidend für diese ablehnende Stellungnahme war somit nach wie so.««»$1.3««. 
vor der Wunsch, die Offensive auf dem östlichen Kriegsschauplätze in 
absehbarer Zeit zum Abschluß zu bringen. Diesem Gedankengange ent- 
sprang auch die Absicht, dem zwar geglückten, im Cndersolge aber noch 
keineswegs gesicherten Weichsel-Übergang der Armee-Abteilung Woyrsch 
durch Zuführung von Verstärkungen weitere Auswirkung zu geben. Am 
31.Juli erging daher an den Oberbefehlshaber Ost die Anfrage: 
„Der Weichsel-übergang des Landwehrkorps hat schon jetzt zu will¬ 
kommener Einwirkung aus den Feind geführt. Die Wirkung würde durch 
Zuführung weiterer Kräfte aber noch erheblich gesteigert werden. Es wird 
versucht werden, Truppen aus der Südostfront für diese Zwecke verfügbar 
zu machen. Schneller würde seitens der 9. Armee Unterstützung geleistet 
werden können. Euere Exzellenz bitte ich daher um schleunige Mitteilung, 
ob sich nicht die Abgabe wenigstens einer Infanterie-Division dieser Armee 
ermöglichen läßt." Da das Oberkommando 9 bei der Breite seines Ab¬ 
schnittes die Abgabe einer Infanterie-Division nicht für tragbar hielt, wurde 
nur eine Kavallerie-Division abgegeben^). 
1) Demgegenüber vertraten der im Großen Hauptquartier anwesende Kriegs¬ 
minister, General Wild von Hohenborn, und der Chef des Feldeisenbahnwesens, 
Generalmajor Groener, im wesentlichen den gleichen Standpunkt wie der Ober¬ 
befehlshaber Ost. General Groener verzeichnete in seinem Privattagebuch: 
„28. Juli. Unterredung mit General von Wild. Wir sind in wenigen Minuten 
einig über eine Offensive bei 10. Armee. General von Falkenhayn zu wenig beweglich 
in seinem Denken, hält starr an dem einmal gefaßten Entschluß fest und kommt immer 
wieder darauf zurück. General von Falkenhayn ist auch für weiteres frontales Vor¬ 
gehen bei Gallwitz auf Siedlce anstatt auf Malkin. — 31. Juli. Gespräch mit 
Tappen über die Operation. Cr ist der Ansicht, daß uns die Kräfte fehlen für die 
große Zange. Cr will noch III. Armeekorps vom Westen herüberholen zu Gallwitz, 
wo alles Verfügbare eingesetzt werden müsse. Der Fehler ist, daß weder Tappen 
noch Falkenhayn darauf abzielen, das russische Heer möglichst zu vernichten. Sie 
wollen sich mit der Defensive in der Bug-Linie begnügen, um dann ihre zehn Korps 
zum Durchbruch nach Westen zu bringen. Auf diesen Gedanken kommt Falkenhayn 
immer wieder zurück. Ich würde die Aufgabe jetzt darin erblicken, die Entscheidung 
im Osten durch eine große Operation gegen die rückwärtigen Verbindungen der 
Russen herbeizuführen. Zu dem Zweck auf der ganzen Front von der Bug-Armee 
bis zu Gallwitz alles, was irgend möglich, herausziehen und zur 10. Armee befördern. 
Wir stehen beim Beginn des zweiten Kriegsjahres vor der Frage, ob die in Galizien 
begonnene, nun das ganze russische Heer umspannende Operation zu einer vernich¬ 
tenden gestaltet werden kann." — 2) S. 339.
	        

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