Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

334 Der Angriff des Oberbefehlshabers Ost gegen die russische Narew-Front. 
«.Juli. 
nähernd 100 Kilometer langen Front noch über 6y2 Divisionen Infanterie, 
darunter an vollwertigen Angriffstruppen die 5., 49. und 50. Reserve-Divi¬ 
sion, ferner über eine Kavallerie-Division4). Das Stärkeverhältnis zur 
gegenüberstehenden russischen 2. Armee veranschlagte man beim Oberkom¬ 
mando auf 83 deutsche gegen 148 russische Bataillone, doch fühlte man sich 
an Artillerie jeden Kalibers und an Munition erheblich überlegen. Da die 
Ergebnisse der Lufterkundung immer wieder darauf hindeuteten, daß der 
Gegner demnächst in die Grojec—Vlonie-Stellung zurückgehen werde, stand 
der Verfolgungsgedanke gegenüber der Deckungsaufgabe im Vordergrund. 
Auch wünschten die Ober sie Heeresleitung wie der Ober¬ 
befehlshaber Ost, daß dem Gegner, bevor er abzog, durch Wieder¬ 
holung des Gasangriffes, wenn möglich, nochmals Abbruch getan werde, um 
die Offensive der Heeresgruppe Mackensen wie auch den bevorstehenden 
Angriff gegen den Rarew zu entlasten. 
Am 6. Juli befahl Generalfeldmarschall Prinz Leopold, Gas ab¬ 
zublasen, sobald sich nach der Wetterlage Gelegenheit dazu biete. Cs komme 
darauf an, den Feind „zu schädigen, ehe es zu spät wird, auch wenn auf eine 
volle taktische Ausnutzung der Wirkung verzichtet werden muß". Gasflaschen 
waren im Raume des XXV. Reservekorps zwischen Humin und der Sucha 
und im nördlich anschließenden Vzura-Bogen bei der Gruppe Veseler ein¬ 
gebaut. Der Zeitpunkt des Abblasens wurde den Kommandierenden Gene¬ 
ralen überlassen. 
Schon am Abend des Tages schien die Wetterlage im südlichen Ab¬ 
schnitte so günstig, daß General von Scheffer um 946 abzublasen befahl. 
Zwischen Humin und Vorzymow schien der Erfolg gut. Weiter nördlich war 
das Abblasen wegen zu geringer Windstärke unterblieben, dorthin aber schlug 
dann die Gaswolke zurück, die sich weiter südlich gebildet hatte, und zog den 
Stellungen entlang nordwärts bis über die Sucha. Sie kam für die hier 
stehenden deutschen Truppen völlig unerwartet und wurde in der Dunkelheit 
auch gar nicht erkannt. So traten ernste Verluste ein; einer Gesamteinbuße 
von nur 29 Mann durch russisches Feuer stand eine solche von etwa 
1450 Mann durch eigenes Gas gegenüber, davon — einschließlich aller, die 
auch in den nächsten Tagen noch an den Folgen starben — 138 Tote. Auch 
beim Gegner scheint die Wirkung erheblich gewesen zu sein. Stoßtrupps 
H Einteilung am 3. Juli (vom rechten Flügel): Div. des Genlt. von Menges 
(Crs.- und Ldw.-Truppen vom ehemaligen Korps Breslau), Gruppe des Gen. von 
Fromme!: 9. K. D., 84. I. D. (Ldw.- und Ldst.-Truppen des ehemaligen Korps 
Posen), XXV. 9t. K. (50. und 49. R. D.), Gruppe des Gen. von Veseler: III. 91. K!. 
(5. R. D.), 83. F. D. (Ldw.- und Ldst.-Truppen des ehemaligen Korps Posen), Abt. 
Westernhagen (Ldw.° und Ldst.-Truppen).
	        

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