Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Auseinandersetzungen mit der Obersten Heeresleitung. 
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Armee-Gruppe Gallwih, die 58. der 8. Armee zuzuführen, um jetzt auch auf 
dem bisher nur dünn besetzten Frontabschnitt östlich von Ostrolenka vor- 
wärtszudrücken. So wie die Dinge lagen, teilte er die Auffassung des Gene¬ 
rals von Falkenhayn. „Cs muß", heißt es in seinem Kriegstagebuch, „zu¬ 
nächst die einmal begonnene Rarew-Operation durchgeführt werden. Jedoch 
wird hier bezweifelt, daß die Narew-Operation zu einer Entscheidung führen 
kann. Die Entscheidung liegt bei Kowno, Wegnahme dieser Festung und 
Vorstoß Richtung Wilna." Man befürchtete, wie im Stabe immer wieder 
erörtert und betont wurde, „daß der Russe bei seiner großen Gewandtheit 
im Rückzüge am Rarew unter Opferung von Nachhuten den Kops aus der 
Schlinge ziehen werde'"). 
Am 22. Juli legte Generalfeldmarschall von Hindenburg seine Ab¬ 
sichten der Obersten Heeresleitung dar: „Rach den Befehlen Seiner Majestät 
wird von mir der größte Nachdruck auf die Operationen gegen den Rarew 
gelegt. Da Rarew zur Zeit noch nicht überschritten ist, werden die neuen 
Infanterie-Divisionen bei Puppen und Kolno ausgeladen, um Rarew- 
Stoßgruppe zu verstärken. Rach überschreiten des Rarew wird rechter 
Flügel Gallwih mit möglichst schwachen Kräften die Befestigungen bei 
Zegrze nehmen, Rowogeorgiewsk von Norden und Nordosten einschließen 
und es angreifen. 9. Armee hat russische Stellung vorwärts Warschau zu 
durchbrechen, um dann mit Teilen die Weichsel oberhalb zu überschreiten 
und Warschau anzugreifen. Ein enges Zusammenwirken zwischen 9. Armee 
und dem rechten Flügel Gallwih ist bei dem Kampf um Warschau 
und Rowogeorgiewsk unerläßlich und wird von mir im Auge behalten, 
ebenso das Freimachen von Teilen der 9. Armee zur Offensive nach Osten. 
10. Armee2) greift mit ihren schwachen Kräften weiter an. Njemen-Armee2) 
führt ihren taktischen Erfolg durch. Ich behalte mir die Entscheidung noch 
vor, wieweit sie in Richtung Wilna vorgeführt wird. — Ich weise pflicht¬ 
gemäß darauf hin, daß ich noch immer von einer Verstärkung der 10. Armee 
und Wegnahme von Kowno einen durchschlagenden Erfolg und eine schnelle 
und entscheidende Entlastung von Mackensen erwarte." 
Der 23. Juli brachte die bereits geschilderten^) Fortschritte der Armee- 
Gruppe Gallwih gegen Pultusk und Rozan und den Rarew-Übergang zwi¬ 
schen beiden Plätzen. Außerdem aber konnte Generalfeldmarschall von Hin¬ 
denburg dem Kaiser abends auch einen vollen Sieg der Rjemen-Armee mel¬ 
den2). Die seit dem 14. Juli gemachte Beute betrage dort etwa 27 000 Ge- 
J) Mitteilung des Obersten von Waldow vom Sommer 1931 an das Reichs¬ 
archiv. Ähnlich berichtete am 20. Juli 1915 auch Major von Fleischmann an die ö.-u. 
Heeresleitung (Akten des Kriegsarchivs Wien). 
2) S. 473. — 3) S. 461 f. — *) S. 313 f. — 5) S. 462 f. 
22. Juki. 
23. Juli.
	        

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