Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

318 Der Angriff des Oberbefehlshabers Ost gegen die russische Narew-Front. 
21.1««. Bedauern Abänderung des allgemeinen Operationsplanes im Sinne der 
dortigen Anregung, die von Westen kommenden Divisionen gegen die 
Njemen-Front einzusetzen, nicht ins Auge fassen." 
Inzwischen hatte der Gegner vor der 9. Armee die Grojec-Stellung in 
der Nacht geräumt. Bei der Njemen-Armee war jetzt auch der ganze Süd- 
flügel im Vorrücken, 3400 Gefangene waren gemeldet. Schauten war wieder 
genommen. Am 12“ mittags traf eine weitere Mitteilung des Generals 
von Falkenhayn an General Ludendorff in Lötzen ein, in der es hieß: „Auch 
für den von Ihnen im gestrigen Ferngespräch mit Tappen erwähnten Fall, 
daß Gruppe Gallwitz gut vorwärtskäme, würde nach meiner Ansicht jetzt 
leider noch keine Abweichung von den Allerhöchsten Bestimmungen eintreten 
dürfen." 
Nun wandte sich Generalfeldmarschall von Hindenburg um 12“ 
mittags selbst an die Oberste Heeresleitung: „Auch bei uns besteht Absicht, 
Narew-Linie unter allen Umständen zu durchstoßen. Da jedoch Möglichkeit 
vorhanden war, dies Ziel auch ohne Einsatz der neuen Einheiten zu erreichen 
und ihre Verwendung weiter östlich dann wirksamer werden mußte, hat 
General Ludendorff meine Absicht mitgeteilt, endgültige Bestimmung des 
Cinsatzpunktes aufzuschieben, bis Anfänge der Divisionen die Weichsel über¬ 
schreiten." Als Antwort hierauf legte General vonFalkenhayn seine 
Auffassung eingehend dar: Wegen der Lage am Balkan dränge die Zeit. 
Cs sei aber nicht anzunehmen, daß die Heeresgruppe Mackensen nach den 
Leistungen und Anstrengungen, die sie schon hinter sich habe, „aus sich selbst 
schnell vorwärtskommen" werde; auch die Mitwirkung der Armee-Abteilung 
Woyrsch und der 9. Armee genüge nicht. „So bleibt nur übrig, alles daran 
zu setzen, die Narew-Stoßgruppe so stark wie irgend möglich zu machen, 
damit sie schnell die Entscheidung erzwingt, und deshalb ist Zuteilung der 
beiden frischen Westdivisionen an sie erfolgt. — Das hindert nicht, daß, 
sobald sichere Anzeichen über Zusammenbruch und Nachgeben des Feindes 
zwischen Weichsel und Bug erkennbar werden, starke Kräfte von der Narew- 
Stoßgruppe an den Njemen geworfen werden, um den von Euerer Exzellenz 
angestrebten Zweck zu verfolgen." Voraussetzung sei nur „beschleunigter 
Ausbau von Bahnlinien von der ostpreußischen Grenze an und über den 
Narew". Sie bildeten auch nach der Auffassung des Oberbefehlshabers 
Oft1) die Vorbedingung für ungehinderten Fortschritt der Armee-Gruppe 
Gallwitz. 
Der Oberbefehlshaber Ost entschloß sich nunmehr, von den 
beiden anrollenden Infanterie-Divisionen die 54. dem linken Flügel der 
0 Mitteilung des Gen. Ludendorff vom Dezember 1931 an das Reichsarchiv.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.