Volltext: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

314 Der Angriff des Oberbefehlshabers Ost gegen die russische Rarew-Front. 
falls stark ausgebaute russische zweite Stellung sollte erst am folgenden oder 
übernächsten Tage genommen werden. „Ich stimmte in der Hoffnung zu", 
so schrieb General von Gallwitz später'), „daß sich inzwischen die Er¬ 
folge der Nachbarkorps geltend machen würden und bei Rozan stärkeres 
Blutvergießen vermieden werden könne." Er rechnete dabei einerseits mit 
der nächtlichen Räumung von Pultusk und weiterem Vorwärtskommen des 
XVII. Armeekorps, andererseits mit dem noch in Aussicht stehenden Narew- 
Äbergang des Korps Eben, der in der Frühe des 24. Juli zwischen Rozan 
und Ostrolenka erzwungen werden sollte. 
Bei der 8. Armee hatten die für den 23.Juli gegen den Narew 
angesetzten. Unternehmungen kein Ergebnis gebracht. 
In der Nacht zum 24. Juli erfüllten sich die Erwartungen des Generals 
von Gallwitz. Die Rüsten räumten Pultusk und Rozan. Teile der 86. In¬ 
fanterie- und 50. Reserve-Division rückten bereits in der Nacht in Pultusk 
ein. Am 5°vormittags war die Meldung darüber in den Händen des Ober¬ 
kommandos, um 6° folgte die Nachricht, daß auch die Vortruppen der 3. In¬ 
fanterie-Division in Rozan eingedrungen seien. Bei beiden Orten waren 
die Brücken zerstört, ausgenommen eine Kriegsbrücke und ein Steg dicht nörd¬ 
lich des Ortes Rozan, die aber unter so starkem feindlichen Feuer lagen, daß 
sie vorerst nicht benutzt werden konnten. Rozan selbst hatten die Rüsten, 
ähnlich wie schon vorher andere Orte, beim Rückzüge in Brand gesteckt; nur 
etwa ein Drittel der Häuser konnte noch gerettet werden. Pultusk dagegen 
wies nur geringe Schäden aus. 
General von Gallwitz selbst urteilte später über den Erfolg: „Die 
berühmte Narew-Linie war nach reichlich sorgsamer Vorbereitung, aber 
schließlich kurzem Kampfe genommen. Was war über dieses Problem in 
der Militärliteratur und bei strategischen Aufgaben nicht alles erwogen 
worden! Es war etwas des Erlebens Wertes. Freilich waren seit dem 
Angriff bei Przasnysz elf Tage vergangen, für die Kartenentfernung zuviel. 
Was hatte der Russe aber an Werken in diesem Raum aufgeschichtet, und 
brav gewehrt hatte er sich meistens auch!" Etwa 37 000 Gefangene und 
105 Maschinengewehre, aber nur 14 Geschütze betrug die Gesamtbeute seit 
dem 13. Juli, davon 8500 Gefangene, 49 Maschinengewehre, aber nicht ein 
einziges Geschütz aus der Zeit seit dem 18. Juli. In den befestigten 
Brückenköpfen von Pultusk und Rozan waren wider Erwarten zusammen 
nur 3600 Gefangene gemacht worden. Der Gegner hatte seine ausgedehnten 
Verteidigungsanlagen aus dem rechten Narew-Afer in der Hauptsache mit 
') von Gallwitz, S. 300.
	        

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