Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Vor der befestigten Narew-Linie. 
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stoßen und der Gegner dadurch gezwungen worden, seine in monatelanger 
Arbeit stark ausgebauten Anlagen von der unteren Weichsel bis zur Piffa 
aufzugeben und auch die bisher zäh verteidigte Front westlich der Weichsel 
zurückzunehmen^). Ob nicht dasselbe Ergebnis auch erreicht worden wäre, 
wenn der Angriff dem operativen Ziele Siedlce entsprechend von Beginn an 
mit dem Schwerpunkt auf dem linken Flügel etwa gegen Ostrolenka an¬ 
gesetzt wurde, läßt sich nachträglich nicht entscheiden. Der Kampf gegen 
das als Kern des russischen Widerstandes eingeschätzte 1. sibirische Korps 
wäre dabei sicher leichter gewesen, denn man hätte es nicht frontal in seinen 
besonders starken Abwehrstellungen bei Przasnysz getroffen, sondern seine 
Flanke gewonnen und es damit gezwungen, im freien Felde und mit ver¬ 
kehrter Front zu fechten. Nach Ansicht der verantwortlichen Stellen schloffen 
indeffen die Geländeverhältnisse solche Operation aus. 
d) Maßnahmen des Gegners. 
Skizzen 19, 20, 21. 
Der Angriff des Generals von Gallwitz hatte den rechten Flügel der e. m 12. Zu«, 
russischen 1. Armee (General Litwinow) getroffen, die mit sechs Divisionen 
den etwa 60 Kilometer breiten Raum zwischen Orzyc und Weichsel zu 
verteidigen hatte2). 
Als der deutsche Angriff losbrach, war der Gegner davon keineswegs so 
überrascht, wie man es auf deutscher Seite annahm. Cr hatte schon am 
6. Juli durch Gefangenenaussagen das Eintreffen deutscher Verstärkungen 
bei Chorzele erfahren. In den folgenden Tagen stellte seine Erd- und 
Lufterkundung unter anderem Vermehrung der Artillerie, der Wagenge- 
täusche und des Förderbahnbaus fest; er schloß aus diesen Anzeichen auf 
bevorstehenden deutschen Angriff. Fast jede Nacht brachte einzelne Ge¬ 
fangene. Dabei wurde das bisher an der Rawka stehende deutsche 
XVII. Armeekorps als neuer Gegner ermittelt. In der Nacht zum 11. Juli 
wurde endgültig festgestellt, daß sich die Deutschen näher heranarbeiteten, 
auch die Breite des deutschen Angriffs wurde vom Oberkommando der 
russischen 1. Armee richtig beurteilt. Es erwartete den Angriffsbeginn für 
den 12. Juli. An diesem Tage machte das Cinschießen der deutschen Artillerie 
so starken Eindruck, daß der 12. Juli in den Aufzeichnungen mancher 
Truppenteile als „Kampftag" hervorgehoben wurde. Mit den eigenen 
Abwehrvorbereitungen aber kam man zu spät. 
0 Beute und Verluste siehe S. 299. 
2) Als Unterlage für die Darstellung der Hergänge auf russischer Seite diente 
in erster Linie das Buch von Korolkow, „Przasnysz".
	        

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