Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

300 Der Angriff des Oberbefehlshabers Ost gegen die russische Narew-Front. 
18. Juli. Am 18. Juli erhielt der Oberbefehlshaber Ost folgendes Telegramm 
des Generals von Falkenhayn: „Seine Majestät hat von den Be¬ 
richten über die unter Euerer Exzellenz Leitung in den letzten Tagen durch 
die Armeen Gallwitz, Scholtz und Beloto1) erstrittenen großen Erfolge mit 
besonderer Freude Kenntnis genommen. Gleichzeitig gab Seine Majestät 
der Zuversicht Ausdruck, daß der gegen den Narew geführte Stoß nicht an 
diesem Abschnitt zum Halten kommen, vielmehr mit allen Mitteln angestrebt 
werden wird, ihn so schleunig wie möglich gegen den unteren Bug weiter zu 
führen." Für die soeben wieder aufgenommene Offensive der Heeresgruppe 
Mackensen") war es von größter Bedeutung, daß kein Stillstand eintrat. 
Alles hing jetzt davon ab, daß es gelang, in der von General von Gall- 
Witz beabsichtigten Richtung Pultusk—Rozan schnell über den Narew zu 
kommen, wobei der nach des Generals Ansicht „am leichtesten anzupackende 
Punkt" Rozan zugleich auch die operativ wirksamere Richtung darstellte. 
Jede Verzögerung mußte dem Gegner zugute kommen, der — wie sich aus 
dem Anpeilen seiner Funkstationen ergab — jetzt dauernd neue Kräfte 
heranführte. Sein XXI. Korps aus Galizien war als neuer Feind bei 
Rozan festgestellt, das III. sibirische Korps sollte von der Rjemen-Front im 
Anmarsch sein, und leicht konnte er aus dem Raume westlich der Weichsel, 
wo außer der deutschen 9. Armee seit dem 17. Juli auch die Armee-Abteilung 
Woyrschb) gegen Iwangorod in Bewegung war, weitere Kräfte freimachen. 
Inzwischen waren aber die Schwierigkeiten der Operation so weit ge¬ 
wachsen, daß ein vorübergehender Stillstand eintreten mußte, bevor an 
die Überwindung der Narew-Lime gegangen werden konnte. Munition 
und schwerste Artillerie heranzuschaffen, erforderte mit zunehmender Ent¬ 
fernung von der Eisenbahn viel Zeit. Vis zu diesem Tage, dem 18. Juli, 
war die von Mlawa nach Warschau führende Vollbahn bis Ciechanow auf 
deutsche Spur umgenagelt und wiederhergestellt; Feldbahnen von Mlawa 
auf Przasnysz und von Willenberg auf Ostrolenka waren im Vau. 
In der Denkschrift des Generals Ludendorff vom I.Iuli hatte es 
geheißen?): Die Armee-Gruppe Gallwitz „könnte in schweren Kämpfen die 
Rusien bis in die Linie Plonsk—Pultusk zurückwerfen". Dieses Ziel war 
in sechstägigem Ringen erreicht, auf den Flügeln sogar schon erheblich 
überschritten. Die „Zange von Przasnysz" hatte das russische erste 
Stellungssystem in 40 Kilometer Breite aufgerissen, der „Hammer von 
Zbiki" das entscheidende Loch auch in die Stellungslinie Ciechanow—Kras- 
nosielc geschlagen. Auf 30 Kilometer Tiefe war die russische Front durch- 
0 S. 459. — 2) S. 392. — =») S. 335 und 394. — *) S. 270.
	        

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