Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Denkschrift des Generals Ludendorff. 
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in einem Stoß gelingen, sonst kommt die Infanterie in dem Sumpfgelände 
in eine schwierige Lage. Cin Eingraben ist wegen des hohen Grund- 
wassers nicht möglich. Eine wirksame Artillerieunterstühung des Infan¬ 
terieangriffs ist ausgeschlossen. Die Sicherheit des Unternehmens ist nicht 
gewährleistet. Gelingt es nicht, so führt es zu einem schweren Rückschlag. 
Im Falle des Gelingens können sich die Truppen nach dem Fall von 
Osowiec günstigenfalls nur in einem mehr oder weniger weit vorgescho¬ 
benen Brückenkopf südlich Osowiec halten. Eine Fortsetzung der Offen¬ 
sive in Richtung Vialystok ist nicht möglich; dazu reichen die Kräfte nicht 
aus, da mit Sicherheit darauf zu rechnen ist, daß der Rüste dorthin Kräfte 
zusammenfahren wird. Im Rahmen der Gesamtoperation tritt hierdurch 
für andere Kräfte eine Erleichterung ein, zu einem unmittelbaren tak¬ 
tischen Zusammenwirken, das eine wirklich entscheidende Operation krönen 
müßte, kommt es indes nicht. Ohne daß die Vorteile verkannt werden, 
ist die Unternehmung doch nicht zu empfehlen, da ihr Gelingen nicht ge¬ 
währleistet ist. Der Einsatz ist dem etwaigen Erfolg gegenüber zu hoch. 
5. Eine Verstärkung der 10. Armee und eine Offensive hart südlich 
Kotono vorbei und über den Rjemen hinweg ist nur dann angezeigt, falls 
die in Aussicht genommene Unternehmung gegen Kowno Erfolg hat. Ob 
dies der Fall ist, hängt von Zufälligkeiten ab, die außerhalb der militärischen 
Einwirkung liegen. Eine Operation kann hierauf nicht aufgebaut werden. 
Cs muß hierbei hervorgehoben werden, daß der geplante Handstreich gegen 
Kowno durch Beigabe schwerster Artillerie sehr wesentlich unterstützt würde. 
Dies kann auch zur Fortnähme von Kowno führen, wenn die anderen 
Voraussetzungen nicht eintreffen. 
6. Der Einsatz der freigemachten Kräfte bei der Rjemen-Armee 
möglichst mit einem gleichzeitigen Angriff auf Kowno kann hier einen 
vollen taktischen Erfolg herbeiführen; ein Mißerfolg, wie bei der Unter¬ 
nehmung bei Osowiec möglich, ist hier ausgeschlossen. Wieweit der tak¬ 
tische Erfolg die Rjemen-Armee nach Osten, beziehungsweise in Richtung 
Wilna führen wird, muß dahingestellt bleiben. Die Tatsache, daß der 
Rüste sehr erhebliche Kräfte in die Gegend nördlich des Rjemen geführt hat, 
sobald er hier eine Bedrohung fühlte, macht es wahrscheinlich, daß er nach 
einer Niederlage seiner 5. Armee von neuem Verstärkungen gegen die 
Rjemen-Armee heranführen wird. Dadurch tritt an anderer Stelle der 
Gesamtfront eine Entlastung ebenso ein wie bei einer etwaigen Unter¬ 
nehmung bei Osowiec. Gelingt zudem die Wegnahme von Kowno, so 
würde in weiterer Folge ein großer strategischer Erfolg gezeitigt werden. 
Der Einsatz der hier freizumachenden Kräfte kann demnach erfolgen: 
1. in Gegend südlich Iwangorod oder 2. bei der Rjemen-Armee.
	        
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