Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Einigung der Mittelmächte über die Führung des Mehrfrontenkrieges. 
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Ziel, „das endgültige Niederwerfen der russischen Offensivkraft in Galizien", 
erreicht sei. 
tim für spätere Entschlüsse klarer zu sehen, bat General von Falken- 
Hayn am gleichen Tage aber doch um Auskunft, wie die ö.-u. Heeres¬ 
leitung den Schlag gegen Italien im einzelnen zu führen gedächte. Er 
erwähnte dabei, daß seiner Schätzung nach „der Beginn der Entscheidungs¬ 
kämpfe kaum vor Ablauf von etwa sieben Wochen von heute ab denkbar" 
wäre, und zwar östlich der Linie Graz—Marburg—Agram. Aus der sofort 
erteilten Antwort ergab sich, daß General von Conrad mit einem Vor¬ 
gehen der Italiener in zwei Richtungen rechnete, über Laibach—Marburg 
gegen die Donau-Strecke Budapest—Raab und über Villach—Leoben auf 
Wien. Den rechten italienischen Flügel gedachte er umfassend anzugreifen 
und zu schlagen, während der feindliche linke Flügel durch den Grenzschutz 
und die in Kärnten zu versammelnden Truppen aufgehalten würde. Der An¬ 
griff sollte durch die 5. Armee geführt werden, die zunächst mit fünf Divisionen 
westlich von Agram, mit drei Divisionen bei Marburg versammelt werden 
sollte. „Ich erwarte", so betonte General von Conrad, „den Einbruch starker 
italienischer Kräfte über die Grenze unmittelbar nach der Kriegserklärung, 
also vermutlich am 23. oder 24. Mai, und muß mit dem Zurücklegen der 
200 Kilometer langen Strecke von der Grenze bis Marburg—Agram im 
Verlaufe von drei, höchstens vier Wochen rechnen, also bis etwa 14., höch¬ 
stens 20. Juni... Ich bin mir aber darüber im klaren, daß die acht Divi¬ 
sionen für den Schlag viel zu schwach sind und daß alles daran gesetzt werden 
muß, ihnen weitere Kräfte unmittelbar folgen zu lassen. In der Zeit bis 
20. Juni könnten bei voller Ausnutzung der Bahnen etwa 20 Divisionen 
in dem Raum Graz—Marburg und westlich Agram versammelt sein, welche 
mir für den Cntscheidungskampf als das notwendige Mindestmaß er¬ 
scheinen ..." 
Diesen Überlegungen vermochte sich General »onFalkett Hayn in¬ 
dessen nicht anzuschließen. Angesichts der Lage in Galizien war keineswegs 
mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß in absehbarer Zeit 20 Divisionen für 
den von General von Conrad geplanten Schlag gegen Italien zur Ver¬ 
fügung standen. Unter diesen Umständen drang er darauf, die verfügbaren 
Kräfte an der Grenze zur Abwehr einzusetzen, und begab sich am Nach¬ 
mittage des 21. Mai zu neuem Gedankenaustausch nach Teschen. In 
eingehender Aussprache wurde eine Verständigung erzielt. Beide 
Generalstabschefs waren sich nunmehr darin einig, zuerst die Ope¬ 
ration in Galizien zum Abschluß zu bringen. Da sich 
nicht absehen ließ, wann das der Fall sein würde, kam vorläufig die ge¬ 
plante Entsendung von je drei Divisionen nach Marburg und an die ser- 
21. Mai.
	        
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