Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Reue Pläne der Obersten Heeresleitung. 
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ziehen können, solange die Vorbewegung zwischen Bug und Narew im 
Gange bliebe. Auf der anderen Seite würde diese Vorbewegung gerade 
durch einen rechtzeitig einsetzenden, selbst schwächeren Stoß in der Nähe 
der Pilica oder über die jetzt wohl bald überall gangbare Narew-Niede- 
rung bei oder unterhalb Osowiec1) in unschätzbarer Weise erleichtert 
werden. Übrigens gibt es möglicherweise auch noch andere Front- 
stellen^), wo man für diesen überragenden Zweck Truppen verfügbar zu 
machen in der Lage ist". Fm Westen und im Südosten sei dies aller¬ 
dings ausgeschlossen. Dagegen würde es der Obersten Heeresleitung 
„vielleicht möglich sein, — zu Täuschungszwecken an den zu entblößenden 
Fronten — noch einige Landsturm-Regimenter und etwas, freilich nur 
unbewegliche Artillerie verfügbar zu machen". 
Diese Drahtung der Obersten Heeresleitung traf den Ober- 29. Juni, 
befehlshaber Ost, wie es in seinem Kriegstagebuch heißt, insofern 
nicht unerwartet, als er die Unterstützung der Gesamtoperation dauernd im 
Auge gehabt hatte. Er war einverstanden mit der anempfohlenen „rück¬ 
sichtslosen Schwächung" der 9. Armee. Daß er sich dazu selbst noch nicht 
entschlossen habe, liege daran, daß bisher immer noch von einem Umschwung 
des Wetters ein weiterer Erfolg des Gasangriffs und damit eine unmittel¬ 
bare Unterstützung der Stoßgruppe im Süden erwartet wurde. Über die 
Richtung, in der die neue Offensivoperation angesetzt werden solle, war er 
sich zunächst noch nicht schlüssig. An demselben 28. Juni weilte General 
vonGallwitz inLötzen. Sein Generalstabschef,OberstMarquard,hatte 
schon vorher in beachtenswerter Form „Gesichtspunkte für den Angriff aus 
befestigte Stellungen" entworfen. Jetzt trug General von Gollwitz selbst 
über den Plan eines Angriffs gegen den Raum von P r z a s n y s z vor, mit 
anschließendem Vorgehen auf Ciechanow^). Der Oberbefehlshaber Ost hielt 
aber gerade diese Angriffsrichtung nach wie vor für operativ wenig wirksam, 
da sie nicht die Tiefe der russischen Aufstellung traf; auch führte sie gegen 
eine der stärksten Stellen der feindlichen Front und dann in den Wirkungs¬ 
bereich der großen Festung Nowogeorgiewsk, mußte also besonders schwierig 
sein. Am 29. Juni antwortete er General von Falkenhayn: „Eine mög¬ 
lichst entscheidende Mitwirkung der mir unterstellten Truppen im Rahmen 
der Gesamtlage war von mir in Aussicht genommen, sobald ich durch Euerer 
Exzellenz Telegramm vom Aufträge der Armee Mackensen Kenntnis erhielt. 
Ein Vorstoß der 9. Armee gegen die Weichsel ist von mir nicht beabsichtigt. 
x) Osowiee liegt tatsächlich am Vobr, nicht am Narew. 
2i) Damit war vermutlich die Front der 10. und Njemen-Armee gemeint. 
3) von Gallwitz, 6. 264.
	        

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