Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

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Der Sommerfeldzug der Verbündeten in Galizien. 
Flußbarriere, sondern nur mit dem der 4. und 11. Armee gegenüber¬ 
stehenden Feinde zu rechnen. Dieser ist allerdings den ersteren an Zahl 
überlegen. Aber die Truppen der 11. Armee gleichen dies durch Tüchtig¬ 
keit aus und können zudem gleich der 4. Armee verstärkt werden durch 
Truppen, die beim bevorstehenden Fall von Przemysl frei werden und durch 
die im Inlande noch verfügbar gemachten Divisionen. Cin Stoß über 
Iaroslau in der allgemeinen Richtung Rawa Ruska ist erfolgversprechend, 
wenn die 4. Armee der 11. die linke Flanke schützt und die rechte öster¬ 
reichische Nachbararmee den längs der Grodeker Seenreihe stehenden Feind 
nicht aus seiner Stellung vorbrechen läßt. Beides wird mit den vor¬ 
handenen und den in Aussicht gestellten neuen Kräften zu erreichen sein, 
setzt aber voraus, daß der Führer der 11. Armee einen unmittelbaren Ein¬ 
fluß auf beide Nachbararmeen ausüben darf." 
Als Oberst Tappen mit dieser Stellungnahme des Generalobersten 
von Mackensen am Abend des 31. Mai in Pleß wieder eintraf, war dort 
bereits bekannt, daß die ersten Forts der Festung Przemysl erstürmt waren, 
und daß die Südarmee Stryj genommen hatte. General von Falken- 
h a y n sah darin verheißungsvolle Anzeichen einer sich in Galizien anbah¬ 
nenden günstigen Entwicklung der Dinge. Cr entschloß sich nunmehr am 
2. Juni, dem Vorschlage des Obersten Tappen und der Stellungnahme des 
Generalobersten von Mackensen entsprechend, zum Einsah der Verstärkungen 
bei der 11. Armee. Der Oberbefehlshaber Ost erhielt Befehl, die 22. Infan- 
2. Sttttt. terie-Division vom 2. Juni ab von Lowicz, die 107. Infanterie-Division 
vom 5. Juni ab von Thorn abzubefördernP Auch die Heranführung der 
Verstärkungen aus der Westfront begann am 2. Juni. Der ö.-u. Heeres¬ 
leitung wurde mitgeteilt, daß vom 4. Juni beginnend auf den Bahnen über 
Debica und Iaslo in Rzeszow viereinhalb Infanterie-Divisionen nebst 
schwerer Artillerie2) eintreffen würden. „Diese Divisionen", hieß es dabei, 
„sollen dazu dienen, die Operationen gegen den östlich des San befindlichen 
Gegner bis zu einer für unsere Zwecke genügenden 
Entscheidung durchzuführen." In fast dem gleichen Wortlaut war 
die Mitteilung an das Armee-Oberkommando 11 abgefaßt. 
An die S ü d a r m e e, deren linker Flügel am 2. Juni den Feind gegen 
den Dniester zurückwarf, erging nachstehender Fernspruch: „Der glänzende 
Verlauf der Operationen der Südarmee gestern und heute wird hoffentlich 
bedeutende Folgen haben. Sie könnten noch gesteigert werden, wenn es 
sich als möglich erweisen sollte, bald eine Kolonne auf nördliches Dniester- 
Afer zu bringen und dort stromabwärts vordringen zu lasten." 
r) S. 199. — 2) Je ein halbes Mörser- und 10 cin-Kanonen-Vataillon wurden 
von Metz am 4. Juni abbefördert.
	        
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