Volltext: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Durchbruch des XXXXI. Reservekorps. 
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Mutmaßungen über Przemysl schwankten. Bei der 11. bayerischen Infan¬ 
terie-Division glaubte man zunächst an eine starke Besetzung des Fort¬ 
gürtels. Dann gewann man den Eindruck, daß keine namhaften russischen 
Kräfte sich in der Festung befänden. Abgehörte Gespräche deuteten sogar 
auf ihre baldige Räumung hin. Andere Nachrichten besagten, die Russen 
wollten aus politischen Gründen die Festung unbedingt halten. Anfangs 
hatte beim Oberkommando der 11. Armee nur die Absicht bestanden, gegen 
die Nordfront schwere Artillerie zusammenzuziehen, einen Angriff auf 
die Festung selbst ohne besonderen Befehl nicht durchzuführen'). Als 
dann jedoch der Gedanke einer gewaltsamen Wegnahme in Erwägung 
gezogen worden war, hatte General von Kneußl einen Angriff auf die 
Nordfront vorgeschlagen. Bei der Neuverteilung der schweren Artillerie 
war diesem Gesichtspunkt bereits Rechnung getragen. Die 11. bayerische 
Infanterie-Division war zugleich angewiesen, falls sich die Räumung der 
Festung bestätigen sollte, sofort zuzufassen. Noch aber stand dem Einrücken 
in die für die Einschließung der Nordfront von Przemysl vorgesehene 
Linie Mackowice—Vatycze—Walawa der Feind in der Stellung hinter der 
Rada im Wege. Man hoffte, daß der Druck der Hauptmasse der 11. Armee 
nach Südosten auch diese Stellung zu Fall bringen würde. Am die 11. baye¬ 
rische Infanterie-Division für ihre neue Aufgabe zu stärken, wurde ihr 
rechter Flügel durch Kavallerie abgelöst. 
Die ö.-u. 3. Armee konnte den Beginn des ihr übertragenen plan¬ 
mäßigen Angriffs auf die Südwestfront von Przemysl wegen des 
späten Eintreffens der schweren Artillerie erst für den 28. Mai in Aus¬ 
sicht stellen. 
Noch lag dichter Frühnebel über der San-Niederung, als am 24. Mai 24. Mat. 
um 6° vormittags die Artillerie auf der ganzen Angriffsfront der 11. Armee 
mit dem Wirkungsfeuer einsetzte. Zeitgerecht um 8° vormittags begann der 
Sturm der Infanterie. Der zur Abwehr gerüstete Feind verfügte über eine 
an Zahl beträchtlichere und mit Munition reichlicher als bisher ausgestat¬ 
tete Artillerie. Auch aus dem Festungsbereich wirkten schwere Geschütze 
gegen die westlich des San angreifende Front mit. Das dort angesetzte 
XXXXI. Reservekorps stand daher vor einer schweren Aufgabe. 
Aber schon nach wenigen Minuten führte ein entschlossener Sprung den Cnt- 
scheidungsflügel der 82. Reserve-Division in die Schanzen östlich von Tuczepy 
und weiter gegen den Nordteil von Ostrow vor. Dieser Einwirkung von 
Norden erlag rasch auch die Front westlich von Ostrow. Am 825 vormittags 
bereits konnte General von Franyois melden: „Höhen westlich und nordwest- 
') S. 147. 
11*
	        

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