Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

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Der Sommerfeldzug der Verbündeten in Galizien. 
in Aussicht genommen war, „sobald die Armeekorps genügend Raum und 
Bewegungsfreiheit nach Osten gewonnen haben". Zur Zeit ständen in¬ 
dessen noch alle Korps mit der Front nach Osten im Kampfe. Außerdem 
müsse die Munitionslage gebessert werden. Der Chef des Generalstabes 
m. Mat. des Feldheeres legte daraufhin am 19. Mai in einem ausführlichen 
Schreiben die entscheidende Bedeutung eines Durchbruchs der 11. Armee 
zu beiden Seiten der Wisznia nach Südosten dar. „Rach Entwicklung der 
letzten Tage" — so hieß es darin — „ist es zweifelhaft, ob 2., 3., ©üb- 
und 7. Armee bald das Ziel erreichen werden, wenn ihnen nicht durch einen 
erneuten Durchbruch der 11. Armee Erleichterung gebracht wird . . . Ich 
möchte bei der rapiden Zuspitzung der militärpolitischen Lage nicht unter¬ 
lassen, die Bedeutung der Frage noch einmal hervorzuheben. Die gestern 
gemeldeten Bewegungen des Feindes mit Bahn und Fußmarsch lassen 
darauf schließen, daß er sich vor der eigentlichen Front der Armee erheblich 
geschwächt hat. Dagegen scheint er aus politischen Gründen Przemysl 
und seine dortigen Stellungen zu stärken. Soweit es von hier aus beurteilt 
werden kann, müßte es danach möglich sein, zur Deckung gegen Ost und 
Nord einen Schleier stehen zu lassen und mit eng versammelten Haupt¬ 
kräften einen Durchbruchsstoß zu beiden Seiten der Wisznia zu ver¬ 
suchen." 
In seiner Stellungnahme zu dieser Anregung wies der Generalstabs¬ 
chef der 11. Armee, Oberst von Seeckt, darauf hin, daß die 11. und 
4. Armee am 19. Mai auf ihrer ganzen Front, am stärksten über Nadymno 
und südlich davon, angegriffen worden seien. Sobald die Lage geklärt und 
ausreichende Munition herangeschafft sei, würde der angeregte Durchbruch 
über die Linie Zablotce—Radymno—Lazy eingeleitet werden. 
Das Armee-Oberkommando 11 beabsichtigte hierzu bis zum 22. Mai 
das XXXXI. Reservekorps, ö.-u. VI. Korps, Gardekorps sowie die 
119. Infanterie-Division in der ungefähren Linie Kaszyce—Makowisko 
bereitzustellen, um am 23. den Angriff in der Richtung auf Vucow— 
Zalazie zu beginnen. Die 11. bayerische Infanterie-Division sollte gegen 
Przemysl decken, das X. Armeekorps die bisherige Front des Gardekorps 
mit übernehmen. Als Grenze gegen die ö.-u. 4. Armee war die Lubaczowka 
in Aussicht genommen. Dieser Armee wurde damit eine weitere Streckung 
ihrer schon weit gedehnten Front auferlegt. Das konnte nur unter Ein¬ 
satz ihrer letzten Reserven am rechten Armeeflügel geschehen. Die beiden 
im Anmarsch befindlichen Verstärkungsdivisionen wurden daher nach rechts 
verschoben. Da jedoch bei Sieniawa auf dem rechten Flügel der 4. Armee 
ein örtlicher Rückschlag erfolgt war, wurde dieser nicht bis an die Luba¬ 
czowka, sondern nur bis Gajdy ausgedehnt.
	        
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