Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

Lage westlich der Weichsel und Vorbereitungen zum Gasangriff. 
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weichen begann. Am folgenden Tage näherte sich deren linker Flügel süd¬ 
lich der Pilica dem Stellungsvorsprung der 9. Armee nördlich des Flusses. 
Die dadurch frei werdende 29.Landwehr-Brigade wurde vom Ober¬ 
befehlshaber Ost sofort für die Kämpfe am Njemen beansprucht'). 
Am 14. Mai wurde das als Gastruppe soeben neu aufgestellte Pionier- 
Regiment 36 der 9. Armee zur Verfügung gestellt. Ihr Stellungs¬ 
abschnitt schien für das Gasabblasen besonders geeignet, da er die 
Front gegen Osten hatte, was der vorherrschenden Windrichtung ent¬ 
sprach, und da die Entfernung bis zu den feindlichen Gräben geringer 
war als an den übrigen Teilen der Ostfront. Die mit dem neuen Kampf¬ 
mittel soeben vor Apern gemachten Erfahrungen^) ließen bei gutem Winde 
solche Wirkung erwarten, daß das Armee-Oberkommando hoffte, die rus¬ 
sischen Stellungen nunmehr glatt durchstoßen zu können. Bei Z)pern 
schienen nur die Kräfte gefehlt zu haben, um den überraschend günstigen 
örtlichen Erfolg auszunutzen. Bei der 9. Armee wollte man jetzt insgesamt 
2yz Armeekorps zu dem Unternehmen einsetzen; es fragte sich nur noch, wo 
der Stoß geführt und welches Ziel ihm gegeben werden sollte. 
Am 16. Mai war der Nordflügel der Armee-Abteilung 
W o y r s ch aus gleiche Höhe mit dem bei Domaniewice auf dem Nordufer 
der Pilica stehenden rechten Flügel der 9. Armee vorgekommen. Die 
gleichzeitige Linksschwenkung, die jene Armee hinter dem weichenden Feinde 
vollzogen hatte, war aber einstweilen doch nur bis in die Verlängerung der 
9. Armee nach Südsüdosten gelangt; eine Umfassung des Gegners im Raume 
westlich der Weichsel also noch nicht erreicht. Immerhin trat ein all¬ 
gemeiner Rückzug der Rüsten aus diesem Gebiete in den Bereich der Mög¬ 
lichkeit. In solchem Falle wollte der Oberbefehlshaber Ost die 
9. Armee jetzt nicht nachdrängen lassen, sondern Truppen herausziehen, um 
sie am Njemen zu verwenden, wo der Gegner zu dieser Zeit anscheinend 
mit starken Kräften angrifft), man vermutete, zur Entlastung einer etwa in 
Westpolen geplanten Rückzugsbewegung. Hier aber stand der Feind einst¬ 
weilen noch. 
Am 18. Mai meldete die 9. Armee, daß sie die Gasflaschen in demi8.vtsrr.Mai. 
schon so oft und heiß umstrittenen Raume östlich der Nawka bei Humin, 
im Abschnitt des XVII. Armeekorps einbauen wolle. Angesichts der 
hohen Erwartungen, die man an die Wirkung des Gases knüpfte, und zur 
Wahrung der Überraschung wollte man auf artilleristische Angriffsvorberei¬ 
tungen verzichten. Bei günstigem Winde sollte das Gas am 23. Mai mor¬ 
gens abgeblasen und, wenn alles gut ging, im Anschluß daran mit 
!) S. 120. — 2) S. 35 ff. — 8) S. 120.
	        

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