Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

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Die Front des Oberbefehlshabers Ost bis zum 2. Juli. 
Übermacht bei schärferer Zusammenfassung der deutschen Kräfte Entscheiden¬ 
des oder auch nur wesentlich Besseres erreicht werden konnte, steht dahin. Cs 
zeigte sich immer wieder, daß die Stoßkraft der eingesetzten Truppen nicht 
ausreichte zu Schlägen, die rasch in die Tiefe durchdrangen. Gestützt auf 
seine Eisenbahnen konnte der Gegner seine Truppen verhältnismäßig rasch 
verschieben, bequem versorgen und rechtzeitig die bedrohten Stellen stützen, 
während auf deutscher Seite jeder Mann, jede Granate und jede Ver¬ 
pflegungsportion von der deutschen Bahn etwa 100 Kilometer Landweg 
zurückzulegen hatte, um an die Front zu kommen. 
Z. Ereignisse bei der 9. Armee, Armee-Gruppe Gallwiy 
und 8. Armee im Mai und Juni. 
Karten 5 und 6, Skizze 12. 
Anfang Mai. Nach dem Siege von Gorlice und dem deutschen Einbruch in das Ge¬ 
biet nördlich des Njemen hatte man bei der 9. A r m e e1) mit gespanntester 
Aufmerksamkeit auf den Augenblick gewartet, wo sich diese Erfolge auch an 
der weit nach Westen vorspringenden Russenfront westlich der Weichsel 
auswirken würden. Eifrigste Lufterkundung, Patrouillentätigkeit und Über- 
wachung des feindlichen Funkenverkehrs ergaben jedoch nur das Bild ver¬ 
mehrter Bewegungen hinter den Stellungen bis zur Weichsel und boten 
keinen Anhalt dafür, daß der Gegner etwa zurückgehen wolle oder seine 
Front auch nur wesentlich schwäche. Er hielt seine Kampfstellungen nach 
wie vor besetzt. Einen starken Tagemarsch hinter diesen hatten Flieger bei 
Grojec und Vlonie seit langem stark ausgebaute rückwärtige Anlagen erkannt, 
die die Annäherung gegen die Weichsel und gegen Warschau verwehrten 
und nordwärts Anschluß an die große Festung Nowogeorgiewsk hatten. 
Anfang Mai wurde der Abtransport einer russischen Division^) be¬ 
kannt. Die zur Aufstellung eigener neuer Divisionen nötigen Abgaben 
hielten dem, was der Gegner etwa herauszog, zum mindesten die Waage. 
Die Frage, ob man nicht selbst zum Angriff übergehen könne, wurde ver¬ 
neint, da die Kräfte zu einer großen Offensive nicht ausreichten, kleine ört¬ 
liche Erfolge aber die auch dabei unvermeidlichen Opfer nicht lohnen 
würden. Vor allem fehlte es an Munition, da der Nachschub wegen des 
Mehrbedarfs anderer Fronten aufs äußerste eingeschränkt worden war. 
i2.bi8te.9Rot. Am 12. Mai hatte sich der Erfolg in Galizien so weit ausgewirkt, 
daß der Gegner auch vor der Armee-Abteilung Wohrsch^) zu 
!) S. 103 f. «. 106. — 2) 13. sib. Div. nach Galizien. — 3) Band VII, S. 434.
	        

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