Full text: Die Operationen des Jahres 1915 ; [2]. Die Ereignisse im Westen im Frühjahr und Sommer, im Osten vom Frühjahr bis zum Jahresschluß (8. 1932)

. 3. bis 8. Mat. 
116 Die Front des Oberbefehlshabers Ost bis zum 2. Juli. 
einrichtungen angeordnet hatte. Auf Einspruch des Oberbefehlshabers der 
russischen Nordwestfront hatte er dann aber von der Obersten Heeresleitung 
den Vefehl erhalten, Libau wieder zu besetzen und die Landoperationen 
gegebenenfalls von See her zu unterstützen. Inwieweit noch versucht worden 
ist, diese Befehle auszuführen, ist indessen nicht bekannt. 
c) Abwehr russischer Gegenangriffe, 3. bis 14. Mai. 
Die Armee-Gruppe Lauen st ein hatte weiterhin das Gebiet 
westlich der Dubista zu behaupten1). Als am 3. Mai der Vormarsch gegen 
Libau bevorstand, waren ihre Truppen wie folgt gegliedert: 70. Reserve- 
Infanterie-Brigade der 36. Reserve-Division (I. Reservekorps), bisher 
Heeresreserve, bei Iurborg eingetroffen; Gros der ehemaligen Abteilung 
Pappritz, etwa eine Brigade, unter Generalmajor Freiherr von Esebeck 
bei Roffienie; 6. Reserve-Division bei Kielmy; 78. Reserve-Division bei 
Schauten; Kavalleriekorps Richthofen nordöstlich von Schauten beiderseits 
der Muscha, davon 1. bayerische Kavallerie-Brigade bei Schadow und 
Sredniki; 6. Kavallerie-Division vor Mitau; Abteilung Schulenburg bei 
Salanty, bereit zum Vorgehen gegen Libau. 
Der Versuch, eine russische Infanterie- und eine Kavallerie-Division, 
die an diesem Tage von Osten gegen Rossienie vorgingen, am Morgen 
des 4. Mai durch allseitige Umfassung abzufangen, mißlang. Die Rüsten 
wichen rechtzeitig aus, hielten sich aber noch auf dem westlichen Dubista- 
Ufer. Reuer Feind war bei Schadow aufgetreten und hatte das Kavallerie¬ 
korps in unentschiedene Kämpfe verwickelt. Vor Mitau mußte die 6. Kaval¬ 
lerie-Division weichen; sie deckte seitdem das gegen Libau angesetzte Unter¬ 
nehmen. Am 6. Mai gelang es, den Gegner östlich von Rossienie über die 
Dubista zurückzuwerfen und das Ostufer zu gewinnen; den Russen den Rück¬ 
zug zu verlegen, glückte aber auch dieses Mal nicht. Das hierzu angesetzte 
Kavalleriekorps hatte durch die vorhergegangenen Märsche und Kämpfe bei 
knapper Verpflegung erheblich gelitten, seine an sich schon geringe Kampf¬ 
kraft war durch vielfach wechselnde Aufklärungsaufgaben arg zusammen¬ 
geschmolzen. Jetzt sah es sich durch bei Kiejdany auftretenden neuen Feind 
vollauf gebunden. 
Der Oberbefehlshaber Ost stellte den Rest des I.Reserve- 
korps unter Generalleutnant von Morgen zur Verstärkung der Armee- 
Gruppe bereit. Dieser hatte demnächst die Abwehr gegen Mitau zu über¬ 
nehmen. Auf dem Südflügel sollte das Ostufer der Dubista einstweilen noch 
0 S. 112.
	        
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