Volltext: Der Marne-Feldzug ; [2]. Die Schlacht (4. 1926)

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Rückblick. 
Die französische Gegenoffensive in Lothringen blieb aus. Aber auch 
die daraufhin in Kraft tretende Aushilfe des eigenen Angriffs, dem die zur 
Durchführung berufenen Kommandobehörden von Anfang an mit berech¬ 
tigten Zweifeln gegenüberstanden, versagte. Das Vorgehen gegen die 
Festungsfront begegnete so starkem Widerstande und so vielfachen 
Schwierigkeiten, daß die Hoffnung auf einen schnellen und durchschlagenden 
Erfolg sich nicht verwirklichte. Wohl glückte es, durch die zunächst gewählte, 
drohende Ausfallstellung der 6. und 7. Armee länger, als nüchtern ab¬ 
wägendes Urteil eigentlich erwarten durfte, die Franzosen von einer erheb¬ 
lichen Schwächung ihres Südflügels abzuhalten, auf die Dauer verhindern 
ließ sie sich aber nicht. So behielt der Feind Handlungsfreiheit 
für beliebige Verwendung des an seiner Festungs- 
front ersparten Kraftüberschusses. And als dann schlie߬ 
lich Anfang September von deutscher Seite nach Überwindung vieler 
Schwierigkeiten zur ernsthaften Durchführung der Durchbruchsaufgabe 
geschritten wurde, hatte sich inzwischen die Gesamtlage auf dem westlichen 
Kriegsschauplatz so sehr verschoben, daß eine wesentliche Einschränkung der 
an dieser Stelle eingesetzten deutschen Kräfte erforderlich wurde. Wenn 
gleichwohl die Oberste Heeresleitung auch jetzt noch mit Zähigkeit an 
dem Durchbruchsgedanken festhielt, so geschah es weniger im Vertrauen 
auf ein rasches Vorschreiten des Angriffs aus eigener Kraft als in 
der Hoffnung, durch Druck des inneren Flügels der Schwenkungsfront 
von Norden her gegen Flanke und Rücken der Festungswand für die 
6. Armee den Weg über die Mosel zu öffnen. Es war also das Gegen¬ 
teil dessen eingetreten, was man mit dem Durchbruch bezweckt hatte. 
Der Versuch, den Südflügel rechtzeitig zu kraftvoller Mitwirkung an 
der gemeinsamen großen Verfolgungsaufgabe zu bringen, war mißlungen. 
Dadurch, daß dieser Flügel auf räumlich abgetrenntem Kriegsschauplatze 
vor eine mühevolle und zeitraubende Aufgabe des Festungskrieges gestellt 
worden war, wurde auf seine unmittelbare und tätige Anteilnahme an der 
Gesamtoperation verzichtet. Diese Vrachlegung etwa eines Drittels 
der deutschen Gesamt st reitkräste im Westen wog um so 
schwerer, als bei der von Anbeginn vorhandenen zahlenmäßigen Unter- 
legenheit nicht nur die Abgabe von zwei Korps nach dem Osten, sondern 
auch die Ausscheidung von mehr als drei Korps für die Einschließung 
feindlicher Festungen bereits eine beträchtliche Schwächung der im freien 
Felde verfügbaren Kräfte bedeutete. Der operativ entscheidende rechte 
Heeresflügel, die 1., 2. und 3. Armee, war entgegen dem ursprünglichen 
Feldzugsplane seit Beginn der Operationen um insgesamt 96 Bataillone
	        
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