IV. Wechselnde Pläne des Generals
v. Falkenhayn.
A. Die Schaffung einer neuen ^eeresreserve.
Karten 1, 2 und 14.
Als General v. Falkenhayn im Januar unter dem Druck der Verhält¬
nisse halb widerstrebend seine Zustimmung zum Einsatz der in der Heimat
aufgestellten Neuformationen aus dem östlichen Kriegsschauplatz gab, hielt
er offenbar immer noch an dem Gedanken fest, so bald wie möglich den von
ihm geplanten Offensivschlag im WestenH durchzuführen. Bereits am
19. Februar, noch vor Abschluß der Masuren-Schlacht, richtete er, wie schon
erwähntH, aus Berlin, wohin er sich nach dem Besuche des ostpreußischen
Kriegsschauplatzes am 30. Januar begeben hatte, eine Anfrage an den
Oberbefehlshaber Ost über dessen weitere Absichten. In ihr hieß es: „So
wichtig es natürlich ist, den Wintersieg in Masuren mit allen
Mitteln auszubeuten, so wenig darf man sich doch der Tatsache ver¬
schließen, daß diesem Streben durch unsere allgemeine militärische und
politische Lage gewisse Schranken gesetzt sind. Schon etwa in der zweiten
Hälfte des März wird die Oberste Heeresleitung voraussichtlich genötigt
sein, sehr erhebliche Teile der jetzt im Nordosten verwendeten Kräfte auf
andere Kriegsschauplätze zu ziehen. Noch früher wird eine Herabminderung
der nach dem Osten abzugebenden Crgänzungsmannschasten und Munitions¬
menge eintreten müssen. Cs kommt deshalb darauf an, die russischen Armeen
bis spätestens dahin in eine solche Lage zu bringen, daß sie uns in abseh¬
barer Zeit nicht gefährlich zu werden vermögen."
Bei den Plänen, die dieser Anfrage des Generals v. Falkenhayn
zugrunde lagen, handelte es sich, wie aus einer späteren Drahtung des
Generalstabschefs an den Oberbefehlshaber Ost vom 9. März hervor¬
geht"), um die „Fortführung des Feldzuges im Westen" und die „Öffnung
des Weges nach der Türkei". Beides setzte voraus, daß bis dahin der
Russe so geschwächt war, daß er in absehbarer Zeit auf keinem Frontteil
des östlichen Kriegsschauplatzes — weder an der Karpaten-Front noch in
Polen oder Ostpreußen — „wieder gefährlich zu werden" vermochte. So¬
lange die Aussichten und Auswirkungen der jetzt im Gange befindlichen
Operationen noch nicht zu übersehen waren, mußte dies zum mindesten
S. 3 f. — 2) S. 233. — ->) S. 276.