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Die Winter-Masurenschlacht.
und war sofort über Kopciowo nach Süden angetreten. Der Anfang er¬
reichte Sopockinie und fand den Ort vollgefüllt mit russischen Kolonnen,
die sämtlich erbeutet wurden, nachdenr die Bedeckung geflüchtet war. Ein
weiterer wichtiger Schritt zur Einkreisung der Russen war damit gelungen.
Die Divisionen des XXI. Armeekorps hatten wieder einen gewaltigen
Sprung vorwärts getan (35 km). Aber mit begreiflicher Sorge sah General
v. Below der weiteren Entwicklung entgegen, weil immer noch ein Durch¬
bruchsversuch des Feindes nach Osten möglich schien und die Masse der
42. Infanterie-Division sich weit auseinandergezogen in den Wäldern in
bedrohlicher Lage befand. Auch das Armee-Oberkommando maß der Straße
über Sejny noch große Bedeutung bei. In der Nacht zum 16. Februar
befahl es dem Generalkommando des XXI. Armeekorps, Sejny mit einer
starken Abteilung besetzt zu halten. Jedenfalls waren durch den Halt bei
Sejny am 14. Februar*) die Straßen Augustow—Grodno dem Feinde
24 Stunden länger benutzbar geblieben, als an sich nötig gewesen wäre.
Daß der Gegner daraus erheblichen Nutzen gezogen hatte, bewiesen Aus-
sagen der von der Brigade Cstorff gemachten Gefangenen: danach waren
starke russische Kräfte am 14. und 15. überstürzt von Augustow in der Rich¬
tung auf Grodno abgezogen.
Die 1. Kavallerie-Division sicherte weiterhin im Raume
Sereje—Simno—Lozdzieje die Flanke der Armee. Rach Aussagen von
Landeseinwohnern sollten in Olita starke Truppenversammlungen statt¬
finden, denen dauernd von Osten her Verstärkungen zuflössen. Das Armee-
Oberkommando zog deshalb die 5. Garde-Insanterie-Vrigade von Marj-
ampol nach Simno; die 16. Landwehr-Division sollte Marjampol, Wylko-
wyszki und Pilwiszki besetzen. Auf den vorübergehend beabsichtigten Ab¬
transport von Teilen dieser Division an die Rarew-Front verzichtete nun¬
mehr der Oberbefehlshaber Oft2).
Trotz der Kampferfolge und Marschleistungen des Tages bot die
Gruppierung der Armee kein günstiges Bild. Bei Suwalki stauten sich,
südöstlich der Stadt in ihrer Bewegung durch die Seengruppe gehemmt,
drei Divisionen, die den linken Flügel der 8. Armee nach Südwesten, also
vor die Front von Augustow, drückten. Eine Division stand östlich dieser
Seen an der großen Straße, auf der kaum noch Feind zu erwarten war; im
Süden eine völlig unwegsame Waldwildnis. Der in dem Raume von Sejny
bis Sajenek verstreut stehenden 42. und der weit abgezweigten 31. Infan¬
terie-Division fiel die schwierige Aufgabe zu, das riesige Waldgebiet ab¬
zuschnüren und gleichzeitig gegen die Festung Grodno und den Riemen zu
i) S. 214. — 2) S. 212.